Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 1-2 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 und der letzte Rettungsanker der Juden, hat ihnen die Feindschaft der christlichen Konfessionen zugezogen, wird in neuester Zeit aber in der eigenen Mitte der Juden zum Hohne und Spotte Vieler, welche dieselbe für ein altes Mährchen erklären. Diese Juden behaupten: Die Messiasidee verhindere die volle Theilnahme an den modernen Errungenschaften und der Emancipation und schmiede die Juden in unerträgliche Bande ein. Mag selbst noch Maimonides die Messiashoffnung in die 13 jüdischen Glaubensartikel ausgenommen haben, so bestimmten ihn dazu lediglich Gründe der Nützlichkeit, die heute nicht vorhanden seien. Der naive Glaube eines Kindes gehöre dazu, zu hoffen, daß plötzlich der Messias kommen werde, um die zerstreuten Juden zur Rückkehr nach Jerusalem aufzufordern, den Tempel zu bauen und nach 2000 Jahren das Reich Israel wiederherzustellen. Diesen Ausgeburten der Phantasie gelte es für immer zu entsagen und daher auch alle Erinnerungen, Hoffnungen und Wünsche, welche in den Gebeten auf das Messiasreich anspielen, aus denselben auszumerzen. In früheren Zeiten mag ein Befreier den Juden willkommen gewesen sein, heute wäre er ganz und gar nicht erwünscht. Der Tausch zwischen den geregelten Verhältnissen der civilisirten Staaten mit den zerrütteten Zuständen des Orient ein ungeheuerlicher Gedanke. Nie war das Bedürfniß nach einer Wiederherstellung des Davidsthrones geringer! Der großen Schaar von Juden, welche so über die Messiasidee urtheilt, antwortet die orthodoxe Zeitschrift: Gedanken dieser Art stammen aus dem Geiste der herrschenden Negirung alles Jüdischen und resultirm aus der einseitigsten Auffassung der Messiasidee, welche in derselben nur einen Lieblingswunsch der früheren unterdrückten Juden erkennen will. Aber die Messiasidee war nie ein bloßer Zeitgedanke; sie hat überdem für Israel die besondere Bedeutung, daß sie in der schlimmsten Zeit erhaltend und belebend auf das Judenthum gewirkt hat, und war oft der einzige Trost des ganzen Volkes. Kein Prachttempel der Gegenwart wird deshalb die Idee des dritten Tempels in den Hintergrund drängen. Denn nicht nach Pracht oder nach der Stadt Jerusalem als solcher sehnen wir uns, sondern mit dem Wiederaufbau des Tempels und der zerstörten Stadt hängt für uns etwas ganz Anderes zusammen. Man verkennt dies nur, weil man das Judenthum und seine hohe