Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 1-2 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 und Greuel, welche so viele ihrer Glieder beflecken, übt sie auf die Juden der Gegenwart eine Macht aus, die für dieselbe zu stark ist. Auch jetzt, wo die letzte Schranke, das Verbot der Heirath zwischen Juden und Christen, in der Kulturwelt immer mehr fällt, können wir dieselbe Erfahrung machen, welche Amerika, das diese Verhältnisse bereits lange genug kennt, längst gemacht hat, daß selbst beim Zurücktreten aller äußeren Rücksichten genug jüdische Herzen der Anziehungskraft der Kirche nicht zu widerstehen vermögen. So erfüllt sich, was der Apostel Paulus weissagend zuvorgesagt hat, daß die Kirche der Völker die Juden „reizen" werde. Er hat es im Geiste zuvor erkannt, daß die Geistesmacht dieser Kirche je länger je mehr einen Eindruck auf viele Einzelne in Israel hervorbringen werde, welcher sie bewegen würde. Alles, was sie von derselben fern hält, zu vergessen, um das wunderbare Gut, das jener verliehen worden ist, mit heißem Verlangen zu erstreben. Wir sehen diese Weissagungen vor unfern eigenen Augen sich erfüllen. Der Christus, welcher das Geheimniß, die Kraft, der Reichthum, das Leben der Kirche ist, dringt aus aller Sünde, die in ihr waltet, je und je so mächtig auch an die Gewissen vieler einzelner Juden heran, daß sie zuletzt nur im Gehorsam des Glaubens an ihn ihre Befriedigung finden. Um so mehr glauben wir dem Apostel Paulus, welcher das Eine vorausgesagt hat, auch sein mit der ganzen Schrift übereinstimmendes anderes Wort, daß Ganz-Israel werde bekehrt werden, wenn Jesus selbst, aus der Hülle dieser gegenwärtigen Kirche heraustretend, zu seiner Zeit den Augen Israels sich wieder zeigen wird. Der heute schon zu stark für dieses Volk wird, während doch nur etliche und vielfach gebrochene Strahlen seines Lichtes in desselben Augen fallen, der wird „sein einiger Herr und Erlöser" werden, wenn es ihn sehen wird, wie er ist, in seiner klaren, heiligen Herrlichkeit. Noch muß Israel dahin kommen, daß es nicht blos etliche Schwächen an sich sieht, oder daß es sich nur von Eindrücken des natürlichen Zeitlebens bestimmen läßt, sondern daß es sich als ganz ohnmächtig und ganz blos erkennt — dann vermag ihm ganz geholfen zu werden. Schrittweise sehen wir es diesem Ziele entgegengehen und heute jenem Tage bereits sehr viel näher gekommen, als in den Zeiten des Wohnens in seiner talmudischen Burg. Darum ist die Mission unter Israel gar frohen und guten Muthes. Mag sie von Missionaren, mag sie von Anderen, die Seelen lieb haben, getrieben