Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 1-2 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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? Frage von Mein und Dein entstanden waren. Wie sollten wir also eine todte Religion, deren Hauptsache ein Zahlbegriff ist, und die so wenig Leben in der Welt geschafft hat, allein um deßwillen annehmen, weil sie in jüdischen Händen liegt. Nein, dazu sind wir doch nicht abergläubisch genug! Die Thatsachen sprechen auch ihre ernste Sprache, wie es mit der Lebenskraft des Judenthums bestellt ist. Zwei ernste Symptome treten in dem Kulturjudenthum gerade Deutschlands zu Tage. Die Einführung der Civilehe in Preußen hat sogleich eine unerwartet hohe Zahl von Mischehen zwischen Juden und Christen zur Folge gehabt. Niemand hat geglaubt, daß der Boden der jüdischen Familien- und Geschlechtsgemeinschaft in Deutschland schon in einem solchen Grade unterwühlt wäre, wie es nun doch bei dieser Gelegenheit zu Tage getreten ist. Und wir stehn erst am Anfänge dieser Bewegung! Die Reform hat also in der That nicht gerade Grund, sicher und mit Gleichmuth der künftigen Entwickelung entgegenzusehn. Außerdem aber vermögen selbst die Herolde und Propheten der Reform sich vor einem noch viel bedenklicheren Anzeichen die Augen nicht zu verschließen. Die geistlichen Lehrer Israels, die religiösen Unterweiser der Jungen wie der Alten liefern für Deutschland fast nur noch die slavischen Länder. Deutsche Juden wollen sich kaum mehr bereit finden, das Rabbinat zu erstreben. Wie sieht es also wohl mit „einem Leuchtthurme" aus, der sein Feuer sich borgen muß? Dahin hat es die Reform gebracht, daß sie zwar dem Geschlechte, welches noch ein Stück der alten Tradition in sich bewahrte und den Zusammenhang mit dem Alten nicht lösen wollte, für seine Tage das jüdische Heiligthum etwas wohnlicher machte, aber der kommenden Generation nun so ziemlich mit erschöpften Händen gegenübersteht. Das deutsche Judenthum geht offenbar wie die deutsche Christenheit den ernstesten Krisen entgegen. Das führt uns jedoch zu den slavischen Juden. Unsere Zeitschrift hat sich im vorigen Jahrgange Nr. 9 und 10 über dieselben ausführlicher geäußert. Die meiste Lebenskraft besitzt offenbar noch dieser Theil der Judenschaft. Es verhält sich zumal mit dem russischen Judenthume ähnlich wie mit dem Slaventhume. Unvermittelte Gegensätze. Biel Pietät, viel religiöse Ueberspannung und viel politischer wie religiöser Radikalismus. Im slavischen Judenthume findet sich das verhältnißmäßig ernsteste Interesse für die