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Dibre Emeth · 1874-01-01 · 11-12 (1874) · page 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
30 (1874)
Issue
11-12 (1874)
Date
1874-01-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
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über die Proselyten ausgestoßen war, -unwillig zurückwies und sagte: „Sie mögen sie Abtrünnige nennen, ich halte sie für gewissenhafte und aufrichtige Leute". Freilich, wie es unter einer bunten Menge zugeht, waren Einige alles Anstandes und aller "religiösen Gesinnung baar und Andere wieder voll Hasses und rabbinischer Bigotterie. Diese warteten außerhalb der Thiiren, und als die Täuflinge mit anderen wohlbekannten christlichen Juden heraustraten, schrieen sie, spieen ihnen in das Gesicht und Einige waren selbst feige genug, auf sie mit Steinen zu werfen. Das war eine traurige Scene, aber wie ein christlicher Israelit bemerkte: „Dieser Ausbruch der Feindschaft ist für mich nichts Neues; als ich getauft wurde, spie mir ein Jude in's Gesicht, aber, ehe noch das Jahr um war, knieete derselbe Mann an dem Taufsteine, an dem ich das Zeichen meiner Aufnahme in die Kirche empfangen hatte, und bekannte öffentlich seinen unwandelbaren Glauben an den gekreuzigten Erlöser." Auch in London und in England überhaupt gehn in der ganzen religiösen Verfassung der dortigen Juden große Veränderungen vor sich; der oberflächlichste Beobachter muß das erkennen. Wohin man sich auch wendet, das wirkliche Judeuthum, das nämlich, welches die Synagoge stets als solches erkannte, verschwindet, und Lehren, die der alten Glaubensrichtschnur auf's Aeußerste zuwider sind, erstehen schnell an ihrer Stelle. Ueberall zeigt sich ein Geist der Unbefriedigung. Viele sagen sich von der Orthodoxie los, Andere aber sind voll Schreckens über den Unglauben und seine Konsequenzen, Manche Juden preisen mit lautem Schall die Schönheit, Moralität und Kraft ihres Glaubens, aber die ehrlichen und die besser unterrichteten wissen sehr wohl, daß dies Alles leeres Prahlen von Leuten ist, die entweder aus Unwissenheit oder mit Absicht Gedanken Und Gefühle als ihr Eigenthum in Anspruch nehmen, welche sie dem Evangelium entlehnt haben. Solche Behauptungen mögen dem Eitelen oder dem sich selbst Betrügenden schmeicheln, aber den Aufrichtigen und den Unterrichteten täuschen sie Nicht. Manche aus dieser letzteren Klasse haben, der Behauptungen, die sie als falsch kennen, müde geworden, die Synagoge verlassen, ohne jedoch das Band zu zerschneide«, das sie mit ihrer Gemeinde zusammenhält. Jedesfalls zerbröckelt, wenn man nicht vom nationalen, sondern

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