Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1874-01-01 · 11-12 (1874) · page 31

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
30 (1874)
Issue
11-12 (1874)
Date
1874-01-01
Page
– (sequence 31)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2554541-2554813-2554820--06284-2562266
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

191 vom religiösen Gesichtspunkte ans nrtheilt, das jüdische System in reißend schneller Weise und verliert seine Gewalt über die jüdischen Massen, besonders in den mittleren Klassen. Ja, so kühn die Behauptung für oberflächliche Deurtheiler klingen mag, man darf nicht bezweifeln,, daß ohne den beständigen Zufluß von auswärtigen Juden, besonders aus Polen und Rußland, die Existenz des Jndenthums in England von kurzer Dauer sein würde. Doch diese erhaltenden Elemente aus der Ferne besitzen nicht Lebenskraft genug, um einen dauernden Eindruck aus die englischen Juden hervorzubringen und sie ans wirklich anhaltende Weise in ihrem Lause, welcher sie der Entfremdung von allem unterscheidenden jüdischen Glauben zuführt, aufzuhalten, sondern sie werden vielmehr selbst schnell von jener der ganzen religiösen Körperschaft, mit welcher sie sich assimiliren, anhaftenden Schwäche überwältigt. Mit der Ausbreitung der Erziehung und der Ausbildung des Geistes unter den Massen wird die englisch-jüdische Orthodoxie zugleich unhaltbar: Ausgesprochenermaßen auf den Talmud gegründet, dessen göttlichen Ursprung keiner seiner bedeutenderen Fürsprecher öffentlich zu behaupten mehr den Muth besitzt und den er noch viel weniger zu vertheidigen wagt, muß nothwendigerweise auch das ganze System zusammenbrechen. Wie kann ein Jude, der sich der Erleuchtung und Aufklärung rühmt, religiöses Vertrauen zu dem überlieferten Glauben fassen, wenn er ihm in einer öffentlichen Verteidigung entgegenkommt, die mit der größten Nvth, ihn von den thörichtsten Beschuldigungen zu reinigen, kämpft. Wenn er ausrichtig und nachdenklich ist Und nicht ganz von weltlichen Sachen eingenommen, so sieht er sich dazu getrieben, seine Zuflucht im Resormjudcnthum zu suchen, und er stellt dann den Talmud in eine Reihe mit anderen Erzeugnissen der mittelalterlichen oder einer noch früheren Literatur, die doch eben nur einen verhältnißmäßigen und jcdessalls wenig inneren Werth für ihn hat. Er behält dann eine Religion der Moral, aller Dogmen entkleidet, aber noch aus dem A. Testamente abgeleitet. Die Wahrheit, so wird ihm von den bedeutendsten Vertretern des Systems mit dem Gewichte der Autorität gesagt, ist. nicht das Erbe eines Glaubens, was, wenn es einen Sinn hat, bedeuten soll: Auf den ersten Blick klare Wahrheit lehren mehr oder weniger alle Religionen, aber alle sind gleichmäßig unzuverlässig, wenn sie darüber hinausgehn. Der Schluß ist dann unvermeid-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.