Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 30 (1874)
- Issue
- 11-12 (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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jüdischen Verwandten. Der Mann wurde mürrisch, melancholisch und jähzornig, fluchte stets über die Christen, lästerte ihren Heiland und verlegte sich auf's Trinken. Aber die Frau schüttete ihr Herz mit bitteren Thräuen Morgens und Abends vor Gott aus, daß er ihre» Mann von seiner Blindheit und seinem Haß erlösen möge, und suchte indeß ihre Kinder christlich zu erziehen. Auf diese Weise brachten die Eheleute ein Jahr hin. Der Mann wurde ein völliger Trunkenbold, sorgte nicht mehr darum, seine Familie zu ernähren, und gericih mit ihr allmählig in große Armuth. In diesem ihren jämmerlichen Zustande besuchte sie eine christliche Dame. Dieselbe verschaffte der armen Frau Kredit bei einem Bäcker und meldete den Fall einem Herrn Kristeller, einem Prose- : lyten. Dieser schrieb einen Brief an die Frau, sie möge ihn doch besuchen. Die Frau versteckte aus Furcht vor ihrem Manne den Brief, aber dieser entdeckte denselben, brach in Zorn Ms, ergriff den Revolver und lief zu Herrn Kristeller mit der Absicht, ihn zu erschießen. Dieser besänftigte den Rasenden jedoch und predigte ihm dann in aller Demuth und Lauterkeit das Evangelium von dem Kreuze Christi. Der Zorn des Mannes hatte seinen Höhepunkt erreicht, er kam wieder zu sich, wurde über sich selbst nachdenklich und siehe, im Verlauf von drei Monaten ist er mit seiner ganzen Familie in die Kirche Christi öffentlich durch die Taufe ausgenommen worden. Hernachmals hat dieser Mann seinen Verwandten und andern Juden die christliche Wahrheit eifrig verkündigt und war zufriedener in seiner Stellung als einfacher Arbeiter als früher in, seinem Wohlstände. Zu beklagen ist es, daß es in Amerika unter den Proselyten . ebenso wie in den Kirchen an Einigkeit fehlt, und eben das ist der Juden-Mission sehr nachtheilig. Gestünde wenigstens eine Union unter den verschiedenen evangelischen Kirchen, wie es doch unter den Staaten der Fall ist, so könnte der amerikanische Jude diese Kirche leichter verstehen, aber eine solche Einigung ist mindestens für die nächste Zeit noch unmöglich. Der Jude liebt aber ein gesetzmäßiges System, Ordnung und eine feste Liturgie. Völlig falsch rühmen einige Reformrabbiner, daß das Synagogen-System geschichtlich bloß Sache der Gemeinde gewesen sei und aus ihrer Wahl und ihren Stimmungen beruht habe; denn sie hatten immer ihre Semichoth Haccamotb, d. h. eine Ordination, und ebenso eine