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Dibre Emeth · 1874-01-01 · 11-12 (1874) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
30 (1874)
Issue
11-12 (1874)
Date
1874-01-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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180 ist es, daß in Lancaster, Pennsylvanien, eine bekehrte Jüdin seit mehreren Jahren ein christliches Asyl verwaltet. In Boston, Mass., ist ein reicher Proselyt mit Namen Salem, von dem man, wie von seinem Volks- und Glaubensbruder Isaak da Costa in Holland sagen kann, daß er seinen Reichthum für das Reich Gottes verwaltet. Leider fehlt es aber auch dort wie anderswo nicht an reichen Proselyten, die ihre jüdische Abstammung gern verbergen möchten und ihren Reichthum nur für sich selber haben, wie der Banquier Bellmont in New-Uork, ein Verwandter Rothschilds und mit seinem Hause im Kompagniegeschäfte stehend. Und dieser Fall steht eben nicht vereinzelt da. Als Student von den Vorgesetzten der jüdischen Missionsschule ausgefordert, eine Kollekte für den Christbaum und für Christtagsgaben an die Kinder zu sammeln, kam ich zufällig in das Haus einer reichen Dame. Dieselbe gab mir etwas Geld, bemerkte aber, daß ich sie nicht als Proselytin bekannt machen sollte, und verrieth sich mir erst dadurch als solche. Gesinnungsgenossen derselben giebt es sehr viele. — Viele Juden werden in den Kirchen getauft, ohne daß sie von einem Missionar unterrichtet werden. Die gesellige Lebensweise Amerikas bringt die dortigen Juden mehr in Berührung mit protestantischen Christen als in Europa, und so geschieht es, daß ihnen das Wort von Christo vielfach entgcgengebracht wird. Viele Juden gehen in die Kirchen, um beredte Prediger zu hören, manche schicken ihre Kinder sehr gern in die Sonntagsschulen, und die Rabbiner haben sehr selten dagegen etwas cinzuwenden. vr. Morgan, Rektor der St. Thomas- Kirche in^ New-Jork, erzählte mir, daß ein reicher Jude die Gewohnheit hatte, in seiner Kirche einen Sitz zu miethen, und daß er ein regelmäßiger Kirchenbesucher war, ohne daß Jemand ihm das Recht hierzu bestritten hätte. Nach einiger Zeit bildete sich der Jude ein, daß er ein Mitglied der Gemeinde sei, und wollte durchaus, daß man ihn zum Vestrymember oder Vorsteher der Gemeinde wählen sollte. Der Prediger hatte große Noth, ihm, der vorgab, daß er ja doch reichlich die Kirche unterstützt und zum Gehalte des Predigers beigetragen habe, diese Anwendung amerikanischer Freiheit zu bestreiten. Er verhinderte die Sache nur durch Berufung daraus, daß Jener nicht getauft und kein Kommunikant sei und ihm also die Gesetze der bischöflichen Kirche entgegenstünden. Aus diesen geselligen Verhältnissen kann man sich die häufigen

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