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Dibre Emeth · 1874-01-01 · 11-12 (1874) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
30 (1874)
Issue
11-12 (1874)
Date
1874-01-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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178 Pr. Lederer erkannte in seinem äußeren Ansehen einen Menschen, der einst bessere Tage gesehen habe und zu etwas Besserem gebraucht werden könnte. Er grüßte ihn und verkündigte ihm dann sogleich die frohe Botschaft vom Heilande Jesu Christo, welcher aber der junge Mann heftig widersprach. Er hatte eben damals unlängst die Rabbinerschule in Polen verlassen, und die Decke Mosis hing noch dunkel über seinem Herzen. Aber von nun an ließ Pr. Lederer nicht nach, die Wahrheit diesem armen polnischen Juden an's Herz zu legen. Nach einer geraumen Zeit drang ein Strahl vom Lichte der Welt in sein Herz, er wurde empfänglicher und obgleich ringend mit seinen Vorurtheilen gegen das Christenthum gewann der Glaube doch nach und nach die Oberhand. Eines Abends, es war der Abend, an welchem der Herr das heilige Abendmahl zum beständigen Gedächtuiß seines versöhnenden Todes eingesetzt hat, versammelten sich mehrere Proselyten in dem Hause eines Bruders, um miteinander die Mazoth (die ungesäuerten Brote) zu essen, die Lobpsalmen nach jüdischem Gebrauch zu singen und sich so die zwiefältige Erlösung lebhaft zu vergegenwärtigen. Joseph Schereschewsky wurde auch eingeladen. Die Brüder beteten in der hebräischen Sprache, Joseph horte Allem bescheiden und aufmerksam zu, aber nach einer Pause, einer feierlichen Stille, in welcher sich das Wehen des heiligen Geistes wahrnehmen ließ, brach Joseph in inbrünstiges Gebet aus — er betete zu Christo in der heiligen Sprache und rief: Gesegnet sei, der da kommt im Namen Jehovahs! Dies war der Wendepunkt in seinem Leben; er öffnete damals die Thüre seinem Heilande, und Christus zog ein mit aller seiner Herrlichkeit. Man fand bald, daß Joseph großes Sprachtalent besäße, und daß der Herr ihn zu einem Arbeiter in seinem Reich ausgerüstet und bestimmt habe. Er wurde nach seiner Taufe in das bischöfliche Seminar geschickt, und in sehr kurzer Zeit erklärte ihn die Fakultät fähig und reif für den Dienst der Mission. Er wurde deshalb ordiuirt und von der bischöflichen Kirche als Missionar nach Peking in China gesandt. Kaum war er dort ein Jahr, so sprach er die Mandarin-Sprache mit solcher Geläufigkeit, daß der amerikanische Gesandte ihn als seinen Dolmetscher gebrauchen konnte. Durch seine gründliche Kenntniß der hebräischen Sprache und Literatur aber war er besonders geeignet, der Uebersetzer des Alten

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