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Dibre Emeth · 1874-01-01 · 11-12 (1874) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
30 (1874)
Issue
11-12 (1874)
Date
1874-01-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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170 2. Tunis. Die Zustände der tunesischen Juden gleichen denen in Marokko. Unter ihnen arbeitete bis vor Kurzem Missionar Fenner, der aber jüngst gestorben ist. Noch die letzten Berichte desselben sind sehr betrübender Art. So theilt er von einer Missionsreise das Folgende mit: In der Stadt Mukneen sahen wir die daselbst tonangebenden Juden ihren Sabbath in einem Kaffeehause mit Kartenspielen und Trinken zubringen. Wir theilten unter ihnen hebräische Flugblätter aus und baten sie, dieselben zu gebrauchen. In Monasteer fand der ältere Missionar, als früherer Bekannter, freundliche Aufnahme und durfte den dortigen Juden auch das Evangelium predigen. Aber man fand an demselben keinen Geschmack, sondern die ganze Gemeinde wußte nur den letzten amtlichen Akt ihres Rabbiners zu beklagen, der für sechs Monate einen Bann über alles Kartenspiel verhängt hatte, durch das Viele ruinirt worden waren. Den gewaltigen Einfluß dieses Mannes über seine Heerde mag man danach beurtheilen, daß selbst irreligiöse Juden dem Missionar versicherten, sie würden es nicht wagen, während der genannten Zeit eine Karte anzurühren, obgleich sie Mauren und Christen um dieser ihrer Furcht vor dem Manne willen verspotteten. Ein reicher Jude, der das Leben ohne Kartenspiel unerträglich fand, bot dem Rabbi ein Goldstück zum Besten der Synagoge, um nur die Erlaubniß zum Kartenspiele für sich und seine Frau während einer oder zweier Stunden des Abends zu erlangen, aber seine Bitte wurde ihm in großem Zorne abgeschlagen. Der Missionar war begierig, einen Mann kennen zu lernen, der eine so despotische Macht in einer Sache ausübte, welche seine Kollegen an anderen Orten für gleichgültiger ansehn. Wäre er nicht ein durch seine Mittel unabhängiger Mann, so hätte er wohl seine Gemeinde nicht auf eine solche Weise herausgefordert. Als der Missionar in sein Zimmer trat, fand er ihn allein, vor ihm ein Talmudabschnitt. Es ist ein hübsch aussehender ältlicher Mann, seiner eignen Bedeutung sich sehr wohl bewußt, und eben dies hielt ihn davon ab, sich bei dem Empfange zu erheben. „Ich wünschte ihm Glück", erzählt der Missionar, „für seine Energie, setzte ihm dann den Zweck meines Besuches auseinander und bat ihn dann, mir zu erlauben, ihm die Hauptlehren unserer Religion, deren Fundament ja die mosaische sei, darlegen zu dürfen. Seine Antwort war: „Ich habe keine Zeit,

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