Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 30 (1874)
- Issue
- 11-12 (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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168 kostbaren Ohrringen und Spangen um Hände und Füße geschmückt sind. Der Handel des Landes liegt, wenn nicht ausschließlich, so wenigstens zum größten Theil in ihren Händen und sie betreiben ihn in einem großen Umfange. Das Zins auf Zins-Geschäft, gewöhnlich Wucher genannt, ist ganz das ihrige. Der Küste entlang sind sie, in Folge der Anwesenheit der europäischen Konsuln, verhältnißmäßig emancipirt, im Inneren dagegen werden sie schrecklich mißhandelt. Männer und Frauen werden unter den nichtigsten Vorwänden öffentlich gepeitscht. Es ist ihnen verboten, aus dem Mellach (Judenviertel) mit Sandalen an den Füßen oder mit einer Kopfbedeckung außer einer schwarzen Kappe herauszugehn. Jeder muhamedanische Knabe kann jeden Juden oder jede Jüdin jedes Alters und Ranges ohne die geringste Veranlassung ihrerseits mit Steinen werfen, mit einem Stocke züchtigen, in das Gesicht schlagen, beißen oder mit Nägeln kratzen, ohne Klage oder den Antrag auf Bestrafung fürchten zu müssen. Und doch, so unterdrückt und verfolgt sie sind, daß keine Feder ihre Verfolgungen und ihre Erniedrigung beschreiben kann, ist das eiserne Joch ihrer Rabbiner für sie noch unendlich unerträglicher, als das des Sultans. Als wohlhabende Besitzer und als Agenten des europäischen Handels üben die Rabbiner gemeinschaftlich mit der Regierung einen mächtigen Einfluß aus, theilen das Erpreßte mit derselben und haben ein Interesse an der Unterdrückung ihrer Brüder. Die Rabbiner geben ihnen das Beispiel der Vielweiberei, indem sie selbst drei, vier oder^mehr Frauen haben. Jeder Jude kann, nach vorhergegangener Scheidung, sein Weib in Folge einer Verabredung mit den jüdischen Richtern verkaufen. Die Juden Algiers haben unter der französischen Herrschaft eine bessere Stellung erlangt; handelt es sich doch darum, ob sie nicht selbst das durch ihren Glaubensgenossen Cremieux ihnen zugesprochene französische Bürgerrecht behalten sollen. Das Missionswerk auf diesem Boden ist nicht leicht. Der Verbreitung der Schriften setzen sich manche Hindernisse entgegen. Die Ausdehnungen des Landes, welches der Kolporteur zu durchwandern hat, die tropische Hitze im Sommer und die wilden Gießbäche, welche der Regen im Winter erzeugt, die Wolken von Staub