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Dibre Emeth · 1874-01-01 · 11-12 (1874) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
30 (1874)
Issue
11-12 (1874)
Date
1874-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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166 trotz desselben die Menschen in seine Arme schließt. Also aber verwandeln sie Gott in den Schlimmsten unter allen Sündern, in den Ungerechtesten unter allen Ungerechten, in den Unheiligsten unter allen Unheiligen und bringen uns nie dazu, daß wir vor einem solchen Gotte die Schuhe ausziehen lernen. Wer auch selbst wir, die wir einem ernsthafteren Glauben anhangen, trösten uns gar zu leicht um unserer Sünde willen. Weil wir ein wenig beten, ein wenig Gottes Wort hören, ein wenig dasselbe bekennen und uns ein wenig nach ihm zu leben bemühen, beruhigen wir uns gar zu schnell und behandeln es als selbstverständlich, daß Gott mit uns zufrieden sein und sein Wohlgefallen an uns haben müsse; haben wir doch eben, weil uns die Last der eigenen Sünde gar zu wenig drückt, sogar Zeit und Lust, Wdere zu richten. Wir treten so oft vor Gottes Angesicht und denken dabei unserer Sünde nicht, aber eben damit wagen wir es, den Gott gegen uns herauszufordern, der gesagt hat: Tritt nicht herzu, sondern zieh' zuvor deine Schuhe aus. Gerade uns thut es am Meisten noth, es wieder im tiefsten Grunde unserer Herzen bewegen zu lernen: es ist heiliges Land, darauf wir stehen, wenn wir unserem Gotte nahen. Und es ist doch in Wahrheit das höchste Wunder, daß der Gott, welcher einst hat verkündigen lassen: Verflucht ist, wer nicht alle Gebote des Gesetzes hält, trotzdem selbst den Sünder vor sein Angesicht treten heißt. Bedenken wir es nur, was das bedeuten will! Wir erscheinen ja vor einem Gott, den Feuer umgiebt, das einen jeden Augenblick von ihm ausgehen könnte und uns alsdann verzehren müßte. Vor seinem Auge ist der ganze Mensch offenbar, und jeder Flecken ruft sein Gericht heraus. — Warum also vernichtet nun doch das göttliche Feuer einen Moses nicht? An diesem Manne erkennen wir es: Gott hält da seine Flammen zurück, wo der. Sünder es anerkennt, daß Alles von ihm abgethan werden müsse, was seines Herrn reines Auge beleidigt. Moses versteht die Stimme Gottes und will vor dem heiligen Gotte rein erscheinen und will keinen Schmutz, der an ihm klebt, an sich dulden und will allen Bann, der auf ihm liegt, von sich abgethan sehen. Also aber wird er uns zur Mahnung und zum Zeugniß, wie es möglich ist, Gott zu schauen und doch lebendig zu bleibey. Daher gilt es nun auch für uns, jede unserer Sünden, sie

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