Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 30 (1874)
- Issue
- 11-12 (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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165 oder bleiben nicht mehr, was sie unter dem Gehorsam gegen die Stimme Gottes sein würden, Stätten des Segens, des Friedens und des Heils. 2. Ziehe deine Schuhe aus. Wir haben gar zu sehr vergessen, was Gott dem Mose zurief, daß man ihm nicht mit Schuhen vom Erdenstaub beschmutzt nahen darf, und doch sieht Gott auf den Wandel unserer Füße. Gott sieht auf die Wege, welche unsere Gedanken und Meinungen und Entschlüsse gehen, und verbietet es uns, mit dem Schmutz, der sich hierbei an uns geheftet hat, ihm zu nahen. Niemand soll vor ihn treten, als wer zuvor desselben ledig geworden ist. Ein Luther hat solcher Mahnung Gottes in seinem Herzen Raum gegeben; der hat in seiner Klosterzelle am Boden gelegen und Tag um Tag, bis daß sein Leib ohnmächtig zusammensank, geklagt: Meine Sünde, meine Sünde! Aber eben dieses ernste Sündengefühl und Sündenbewußtsein haben wir gar zu sehr verloren. Gott ist freilich die Liebe, aber diese Liebe ist ein gar besonderes Ding; diese Liebe ist ein Feuer, welches keine Schlacken duldet, sondern dieselben alle abschmilzt, damit nur reines Gold übrig bleibe. Das ist die Liebe Gottes, daß er uns Sünder nicht Sünder lassen, sondern uns in das reine Wesen seines Sohnes Jesu Christi versetzen will, auf daß er uns in Wahrheit als seine Kinder erkennen könne. Aber das Gegentheil der Liebe ist es, was von den Stimmführern des heutigen Zeitgeistes, und ebenso, was von jenen Halbherzigen unter den Anhängern des Gottglaubens, die Friede, Friede rufen, wo kein Friede ist, als Liebe ausgerufen wird. Jene Ersten wollen überhaupt keinen Sünderheiland und wollen uns nicht dazu gelangen lassen, daß wir den Tod als Sold der Sünde erkennen und darüber unter Christi Kreuz fliehen lernen, sondern wollen mit leeren Reden die Flammen der Hölle auslöschen oder uns auf zerbrochenen Brücken über den Abgrund des Gerichts hinwegsühren. Jene Andern aber wollen, daß wir Wahrheit und Lüge ruhig nebeneinander dulden, sie lassen die Wölfe in die Heerde hinein und achten es nicht, wenn die Schafe zerrissen werden. Diese sind es, welche uns immerdar nur trösten „Gott ist die Liebe", und während sie das Unrecht, welches an ihnen selbst geschieht, mit Ernst ahnden oder gar mit Haß verfolgen, aus Gott ein Wesen machen, das allen Schmutz Schmutz sein läßt und