Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 30 (1874)
- Issue
- 9-10 (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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150 ob ich Ihren Freund durch meine Beweisführung übertreffen werde, sondern die Frage ist: Was ist die Wahrheit und welches der Weg, selig zu werden? Ich kenne das Buch, das Euer Freund besitzt, und das Ihr für unwiderlegbar haltet; ich habe eö oft gelesen und kann Euch nur sagen, daß die meisten seiner Behauptungen Verkehrungen und Entstellungen der Wahrheit sind, andere sind Mißverständnisse und falsche Auffassungen, nur wenige, sehr wenige betreffen kritische Schwierigkeiten im N. T., die wir kennen und als solche anerkennen (doch sind sie in jenem Buche nicht original, sondern bon Rabbi Isaak, der sie in christlichen Büchern gefunden, diesen entnommen), Schwierigkeiten aber, die in keinem höheren Grade zur Bekämpfung der Wahrheit des Christenthums dienen, als die kritischen Frage» und Schwierigkeiten des Alten Testamentes beweisen würden, daß cs falsch sei." Nachdem ich ihnen hierauf einige Stellen aus jenem Buche >,Chisuk Emunah" angeführt hatte, um die Genauigkeit meiner Angaben zu beweisen, brachen Alle in einem Haufen zu dem Laden des gepriesenen Besitzers jenes Wunderbuches auf. Wir fanden ihn ganz vorbereitet auf den Empfang seiner Besucher, da er sogleich durch Boten, welche die ganze Zeit deswegen hin und zurück liefen, von dem unterrichtet worden war, was sich in dem Laden gegenüber begab. Mit einer Miene großer Höflichkeit und Selbstgefälligkeit lud er den Missionar ein, sich niederzusetzen, und leitete dann unter vielem Wortschwall und anscheinender Höflichkeit das Gespräch ein. In feinen Fragen und Beweisführungen war nun aber gar nichts Neues^zu finden, jede derselben war aus dem Chisuk Emunah genommen, ihm aber erschienen sie wundervoll und natürlich neu, da er erst jüngst eine Uebersetzung dieses kostbaren Buches in das Jüdisch-Spanische gekauft hatte, während er es in dem hebräischen Original nicht lesen oder nicht verstehen konnte. Pr. Eppstein frug ihn dann aber, nachdem er einige seiner Fragen beantwortet, hinwiederum, aus welchem Grunde sich denn die Ankunft des Messias verzögert haben sollte, und was der Grund seiner Hoffnung auf Erlösung von der Hölle wäre. Der arme Mann! Er hatte wenig zu fogejt und versuchte meiner Anrede an die Umstehenden dadurch die Spitze abzubrechen, daß er sagte: „Sie haben mich durch Ihre Antworten nicht recht befriedigt, da Sie eben die Bibel nicht verstehen können, wenn sie die Traditionen der Rabbiner nicht