Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 30 (1874)
- Issue
- 9-10 (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?" Sein Herz schien bei diesen Worten gerührt, und er erzählte darauf dem Missionar, wie durch den neuen Rabbi der Fanatismus erweckt, wie er selbst des Besitzes und des Lesens christlicher Bücher angeklagt worden wäre und wie er aus allen Vierteln Beleidigungen und kleine Verfolgungen, die er nach seinem Eingeständniß zu tragen außer Stande wäre, erlitten habe. „Diese Flamme des Hasses gegen Sie und das von Ihnen gepredigte Evangelium", fuhr er dann fort, „wurde durch die Erzählung weiter genährt, daß Sie einen sehr gelehrten Rabbi in Smyrna zum Abfall gebracht und beleidigende Plakate gegen die Rabbiner und die ganze jüdische Nation veröffentlicht haben. Alle Juden hier glauben es fest, daß Sie ein gefährlicher Mann sind und Ihre Bücher starkes Gift." Da der Missionar gerade Exemplare der veröffentlichten Plakate und der verbreiteten Bücher in seiner Hand hatte, so bot er sie Jenem an und bat, ihm zu zeigen, wo sich da das Gift und die Feindschaft befänden. Der Mann nahm sie in seine Hand, begann einige zu überblicken und sagte nach einer Weile: „Ich finde sie eher hübsch und gut, die Inden aber sagen, das geschehe gerade darum, weil ich ein Ketzer gleich Ihnen sei. Ich kann und darf meinem Urtheile nicht trauen, aber dort drüben ist mein Nachbar, der behauptet, er könne jedes Ihrer Argumente beantworten und Nachweisen, daß Sie sich irrten; lassen Sie uns zu ihm gehen und ich werde mich freuen, wenn Sie seine Einwürfe genügend beantworten werden." Unterdeß hatte sich eine Anzahl von Juden um uns gesammelt und sich diesem Verlangen angeschlossen; Einer schrie: „Wir fordern, daß er die Fragen beantworte", ein Anderer: „Er fürchtet, sich einer Niederlage auszusetzen", ein Dritter: „Ich glaube sicher, er hat so viel für sich zu sagen, als das Buch". Da blieb denn keine andere Wahl, als mit ihnen zu gehen und den wunderbaren Mann mit dem wunderbaren Buche zu sehen. Vor dem Fortgehen jedoch sagte Pr. Eppstein zu ihnen: „Mein Zweck sind nicht Disputationen, sondern ist, ein Verlangen nach der Wahrheit zu erwecken; ich will mich nicht selber predigen, sondern Christum, den Gekreuzigten, den Juden ein Aergerniß und den Griechen eine Thorheit, denen aber, die da glauben an Christum, eine Macht und Weisheit Gottes. Es handelt sich nicht darum.