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Dibre Emeth · 1874-01-01 · 9-10 (1874) · page 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
30 (1874)
Issue
9-10 (1874)
Date
1874-01-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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147 verkaufen, werfen sie ihre Netze aus." Darauf ließ der arme Jude das Buch fallen und lief aus dem Zimmer. Der Colporteur blieb zurück und bat den Rabbi, die Bibel zu prüfen und ihm zu sagen, was es einem Juden schaden würde, wenn er sie kaufte; der Mann aber antwortete barsch : „Du hast mit mir nicht zu disputiren; ich mag dich nicht'Hören", und damit warf er ihn aus dem Zimmer hinaus und verschloß die Thür. Im Allgemeinen muß man sagen, verrathen die Zustände der europäisch-türkischen Juden noch denselben Charakter, den ihre Umgebung trägt: den einer gewissen Stagnation! Die christlich-slavischen Völkerschaften Oesterreichs und Rußlands werden ebenso wie die Rumäniens von den Cultnrinteressen bereits in höherem oder geringerem Grade bewegt, und eben dies übt auch feinen Einstuß auf die Juden in ihrer Mitte aus. Die ganz allgemeine Erfahrung, daß die Inden in der Zeit der christlichen Aera trotz alles ihres Bestrebens, eine geistige Selbstständigkeit zu behaupten, auf's Tiefste davon beeinflußt werden, ob ihre Umgebung rin regeres geistiges und volkliches Leben oder ob sie einen gewissen Stillstand in allen diesen Beziehungen an den Tag legt, wird auch wieder bestätigt, wenn wir einen Blick auf die Juden in dem türkischen Reiche werfen. Die Juden, selbst unter den im Cultursortschritt hinter Romanen und Germanen noch zurückgebliebenen Slaven, zeigen doch dieselbe Ueberlegenheit über ihre Glaubensgenossen in den muhamedanifchen Ländern, welche wir den christlichen Slaven im Vergleiche zu der muhamedanischen Bevölkerung zugestehen müssen. Und wie Rußlands oder Oesterreichs Länder voll innerer gährender Bewegungen sind, so sehen wir auch die dortigen Juden aus dem Traumzustande aufgerüttelt, dem sie in gewissem Grade noch in der Türkei verfallen sind. Der Gesammteindruck, den das slavische Judenthum hervorbringt, ist ein bedeutend günstigerer als der, welchen wir von dem türkischen Judenthume empfangen. Das Letztere ist im Allgemeinen eine dumpfe, träge Masse, welche dem Eindringen der christlichen Mission wenig geistigen Widerstand, sondern zumeist nur unter Anführung der daselbst noch äußerst mächtigen Rabbiner rohe Gewalt oder Fanatismus entgegensetzt. Der Trieb zu geistiger Entwickelung ist bisher nur gering vorhanden, und die Anstrengungen der Mission, die geistige Bildung zu fördern, sind noch immer Anstrengungen, welche mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Erst 10*

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