Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 30 (1874)
- Issue
- 9-10 (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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144 zufällig einen jungen Mann mit einer Anzahl Juden über ihre abergläubischen Gewohnheiten ein ernstes Gespräch führen. Da sie auf das Thema des Fastens kamen, sagte er, daß die Juden zu großes Aufhebens von ihrem Fasten machten; in dem Buche dagegen, sagte er, steht geschrieben: „Wenn du fastest, dann salbe dein Haupt". Als seine Zuhörer aber wissen wollten, auö welchem Buche er dieses Wort anführte, zeigte er ihnen die Stelle im Neuen Testamente. Alle hörten mit offenbarster Aufmerksamkeit ein Stück der Bergpredigt an, und ein Mann kaufte hierauf ein N. Testament, um „das Buch" ganz für sich zu haben. Im Laufe des Jahres haben drei arme Juden, die zu arm waren, um sich ein Neues Testament zu kaufen, ein solches einander geliehen. Einer von ihnen ist ein eifriger Wahrheitssorscher geworden und jetzt Taufkandidat. Er ist ein Mann von großer Einfachheit und Redlichkeit, und wir dürfen hoffen, daß er einstmals die Lehre unseres Heilandes zieren wird. Ein anderes N. Testament wurde einem Juden geliehen, der es für seinen Sohn wünschte, damit dieser es während der Abendstunden läse, und wir hoffen, daß Beide, Vater und Sohn, aus ihm Lebenswasser trinken werden. Andere Juden liehen ihr N. Testament ihren Freunden, was uns aus den von ihnen erhobenen Einwürfen bekannt geworden ist. So bestand Einer darauf, daß Christus seine Jünger gelehrt habe, wie die Schlangen zu sein, anstatt „klug" wie die Schlangen zu sein. Ein Anderer erhob den Einwurf gegen die Erzählung von der Auferweckung des Lazarus durch Christum, daß dieselbe ganz unmöglich sei und daß sich ebenso das Wort Christi, „Wer an mich glaubt, wird nimmermehr sterben", nicht erfüllt habe. Traktate haben auch einen Segen hinterlassen. Einer der schon erwähnten Wahrheitssorscher gab den Traktat „Beweise aus der Schrift" einem Fischer, der ihn, wie er sagte. Tag und Nacht las und mit der Schrift verglich. Zuletzt ging er, um seiner Sache gewiß zu werden, zu einem Rabbiner, nahm einen Fisch als Geschenk mit und bat denselben, ihm zu sagen, ob der Messias wirklich gekommen sei und ob er ein Sündopfer für das Volk werden sollte. Der Gelehrte gab ihm eine charakteristische Antwort: „Es sollte, so sagte er, zwei Messiasc geben — den Sohn Davids, um zu herrschen, und den Sohn Josephs, um zu leiden; und obwohl in der Bibel nur von einem Messias, dem Sohne Davids, die Rede