Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 30 (1874)
- Issue
- 9-10 (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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143 Die Missionare haben aber in allen Städten, in denen sich Juden befanden, Christum gepredigt; und wenn sie sich spät und ermüdet in ihre Herberge zurückzogen, so wollte ihnen das Volk dahin folgen und bis tief in die Nacht hinein bleiben, um über das große Thema, „Christus und seine Erlösung", zu hören und Fragen zu thun. Beim Besuch der Schulen des Ortes nahmen sie die Lehrer ehrenvoll und gern auf und veranstalteten aus dem Stegreif Prüfungen über die gelehrten Gegenstände. In einer derselben fand eine interessante Katechese mit den Kindern statt, und einzelne Theile derselben trugen ganz offenbar das Gepräge, daß sie aus einer christlichen Quelle stammten; das wurde hernach auch durch den Schullehrer bestätigt, indem derselbe den Colporteur bat, ihm einen Katechismus und eine Geschichte Israels in Jüdisch- Spanisch zu senden. Er war einmal in der Hauptstadt gewesen hatte dort die Missionare kennen gelernt und einige Kenntuiß des Neuen Testamentes. Ganz anders war die Aufnahme in der nächsten Stadt, die 280 jüdische Familien enthielt. — Dort wurden sie von Allen abgewiescn. Am folgenden Tage wurden sie auf der Straße von jüdischen Knaben mit Steinen und den Ausrufen: „Christas, Christos, hier gehen die großen Christos" begrüßt. Der Rabbi der Stadt versuchte zuerst dieses Benehmen der Juden zu entschuldigen, indem er sagte, sie lieben die Christen nicht, hernach aber räumte er ein, daß die Leute keinen Unterricht empfingen. Der arme Lehrer der Talmud-Thorah beklagte sich bitter über das schmutzige und selbstische Benehmen der Juden, und daß sie ihn vernachlässigten und Hunger leiden ließen. Auf eine alte zerrissene Bibel hinweisend rief er aus: „Wie kann ich aus diesem einen Buche so viele Kinder unterrichten!" Zahlreiche Personen der Hauptstadt haben es gezeigt, daß sie das in ihren Besitz gelangte Neue Testament wie in vergangenen Jahren so in dem gegenwärtigen lesen. — Manche haben sich Stellen angestrichen — um ihren Spott zu treiben, und scheinen das heil. Buch zu keinem andern Zwecke, als um an ihm Ausstellungen zu finden, zu lesen. Doch, gelobt sei Gott, Andere nahmen das Wort mit Sanftmuth auf und haben den Beweis geliefert, daß die Lehren des Evangeliums auf sie einen nachhaltigen Eindruck hervorbrachten; ja Einigen ist Christus werth und theuer geworden. So hörte man