Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 30 (1874)
- Issue
- 9-10 (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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142 jüdische Bevölkerung von 300 Familien enthält, wurden dieselben nicht . allein freundlich, sondern mit Freude und Enthusiasmus ausgenommen. Kaum zeigten sie sich in den Straßen, so drang jeder Handelsmann in sie, bei ihm einzutreten und ihm Gottes Wort zu sagen. Die MissioMre erwählten die größten Läden oder Magazine und diese füllten sich bald mit aufmerksamen Männern. Es war wundervoll zu sehen, wie Jeder sein Geschäft verließ und herbcikam, um zu hören oder Fragen zu thun. Bibeln, N. Testamente und Psalmen wurden eifrig gekauft und Traktate mit Dank angenommen. Während ihres ganzen Aufenthaltes zeigten nur zwei Personen eine Opposition; einer war der Vater eines jungen Mannes, der eine Bibel kaufte und einen Traktat über Jesaia 53 erhielt. Der alte Mann versuchte erst seinem Sohne davon abzurathen, das heilige Buch zu kaufen. „Was nützen lügenhafte Bücher?" sagte er, „viel lesen ist nicht gut." Sein Sohn antwortete ihm: „Gottes Buch zu lesen ist besser, als Geld erwerben; würde es dir nicht gefallen, wenn ich Häuser oder schöne Kleider kaufte?" Daran knüpfte sich ein Gespräch, und der junge Mann hörte zum ersten Male, daß Jesus gekommen sei, Israel von seinen Sünden zu erlösen. Darauf unterbrach der Vater wieder: „Warum reden Sie so zu meinem Sohne?" Und an den Letzteren sich wendend sagte er: „Ich werde dich dieses Kapitel und Buch (53. im Jesaias) nicht lesen lassen". Der Sohn entgeguete: „Ich werde es in der Nacht oder am nächsten Tage lesen, weil es das Wort Gottes ist." Der andere Widersacher war der Rabbi des Ortes, aber auch er blikb unbeachtet. Bei seinem Gange durch das jüdische Viertel hatte er einen seltsamen Anblick. — Die Ladenbesitzer zur Rechten und zur Linken, die ganze Straße entlang, waren geschäftig, Traktate und das Neue Testament zu lesen und es mit dem Alten Testamente zu vergleichen. Einige führten lebhafte Gespräche. Er verbot sogleich und auf's Bestimmteste seinen Leuten, ein „protestantisches" Buch oder Blatt zu lesen. Aber, so sagte einer der Colporteure am andern Tage, sie kümmerten sich nicht darum; als der Chacham seinen Rücken wandte, nahmen sie ihre Lektüre und ihre Unterhaltung wieder auf. Als ein anderer Jude dies hörte, sagte er: „Wenn ich gehört hätte, daß der Chacham die Bücher verbot, so würde ich ihm geantwortet haben: „Signor Chacham, warum sprechen Sie zu uus nicht von der Vergebung unserer Sünden, wie diese Protestanten?"