Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 30 (1874)
- Issue
- 9-10 (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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136 P. G. und baten, er möchte ihnen Fragen ans dem Talmud, Midrasch und der Kabbala beantworten, und ließen ihm. auch bei Nacht keine Ruhe, wo oft mehrere Nicodcmusscelen unverabredet gleichzeitig in der Wohnung des P. G. sich zusammenfanden. Da gab es viel zu thun, eine mühselige und doch selige Arbeit: mit solchen eingefleischten Talmudmcistern zu diSputiren, bei denen der erste Lichtstrahl des Evangeliums die innere dunkle Gesetzesnacht für's Erste nur noch dunkler gemacht hatte — eine Aufgabe, der gegenüber der geborene Christ bei aller Belesenheit in der jüdischen Literatur doch wie vor einem unlösbaren Räthscl dasteht. FW es einem Germanen überhaupt nicht leicht, sich in die Gefühle und Phantasien eines echten Orientalen hineinzudenken, so ist es für einen geborenen Christen fast eine Unmöglichkeit, die Denkweise eines talmudischen Gelehrten zu begreifen und in paulinischer Weise dem Juden ein Jude zu werden. Um so mehr war hier P. G. an seinem rechten Platze. Die Bewegung ging Anfangs von Außen nach Innen. Die bessern Elemente legten sich nach talmudischer Art auf's Grübeln und Suchen nicht nur in dem Alten und Neuen Testament, sondern auch in den kabbalistischen und mystischen Schriften der alten jüdischen Literatur. So entstand eine schwärmerische jüdischchristliche Richtung unter ihnen mit stark chiliastischer Färbung, die zwar noch ungesund ist, aber jedenfalls unsere ausmerksameBeobachtung verdient. Wir überlassen es P. G., das Genauere über diese merkwürdige Bewegung mitzutheilen, und bemerken hier nur, daß die Zahl der Familien, welche an derselben theilnahmen, hundert bereits übersteigt, sowie daß wir unterdessen von diesen Juden Briefe erhalten haben, deren christlicher Inhalt unsere ungetheilte Freude und Verwunderung hervorgerufen hat. So schreibt z. B. einer der „12 Jünger des Rabbi E. Moses", des Urhebers jener religiösen Richtung, der das allerticfste kabbalistische Geheimniß des sogenannten Schem-hamforasch (der Entzifferung des allerheiligsten Namens Gottes) gefunden zu haben vorgiebt und diese Offenbarung jetzt in einem umfangreichen hebräischen Werke für seine Anhänger und Stammesgenossen niedergelegt hat, ans der südrussischen Stadt B., wohin er und sein Neffe als Apostel der neuen Lehre gesandt waren, an P. G. folgendermaßen :