Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 30 (1874)
- Issue
- 9-10 (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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135 Wirrung, welche unter den Einen die gegenwärtigen Uebergangszeiten Hervorbringen, und trotz der Stagnation, welche unter den Andern zu herrschen scheint, immerdar noch seine Keimkraft beweist; der andere, daß alle Parteien der Juden der Regel nach den Uebertritt eines der Ihrigen zum Christenthume auf's Strengste verurtheilen, sobald er aus Ueberzeugnng geschieht, und daß eigentlich nur der verschiedene Bildungsstand an der Form dieser Verurtheilung etwas ändert. Wir bringen hiernach aber zuerst einige Mittheilungen des früheren Rabbiners und jetzigen lutherischen Predigers Gurland in Mitau über höchst interessante Bewegungen, die sich unter den Juden 2. in Außland zeigen. Dort zieht besonders Litthauen unsere Aufmerksamkeit auf sich und in dieser Provinz wiederum die Hauptstadt Wilna. Wir entnehmen aber die folgenden Mittheilungen dem Rheinisch-Westphälischen Missionsblatt Nr. 6. 1874. In dieser Residenz der Juden Rußlands, wo noch das alte Herz des orthodoxen Judenthums hörbar schlägt, wo die talmudische Hochschule, 8 große Synagogen und unzählige Bethäuser noch täglich zum dreimaligen Gebete und Studium der Thora und des Talmuds fleißig benutzt werden, hat das Evangelium ergiebiger« Boden gefunden. Die dort ausgestreute Saat des göttlichen Wortes verspricht gute Früchte zu tragen. Bei G.'s Anwesenheit in W. im Herbst 1871 besuchte er die dortigen Synagogen, Schulen und Bethäuser, wo er viele ernste Juden fand, die noch mit wahrer Sehnsucht auf den Trost Israels, den Sohn Davids, der da kommen soll, warten. Er hat mit ihnen gründliche Unterredungen gehabt und eine Anzahl hebräischer Neuer Testamente und guter Missionsschristen unter ihnen vertheilt, eine Saat auf Hoffnung, zu der, wie es scheint, der HErr jetzt sein Gedeihen schenken will. Denn schon nach einigen Monaten, als P. G. auf seiner Rückreise vom Auslande W. wieder besuchte, fand er, daß das Wort vom Kreuze bereits gezündet hatte. Aufgeregt, aber auch angeregt waren die Gemüther derer, die das Neue Testament gelesen hatten. Die Frage: „Was dünkt euch um Christo? weß Sohn ist er?" beschäftigte in den dortigen Synagogen und Schulen viele Köpfe und Herzen. — Die meisten Schriftgelehrten schimpften, fluchten und tobten, und kamen doch immer wieder zu