Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 30 (1874)
- Issue
- 9-10 (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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134 bekehren werde, protestirte der Mann zwar nicht gegen diese Bekehrung, wohl aber, im Namen der Toleranz und der Humanität, gegen eine solche Bevorzugung der Juden. Im Uebrigen begegnete ich freilich nnter diesen Juden einer ungemeinen Unkenntniß des Christenthums. Als ich einmal mit ihnen nach den bekannten 13 Artikeln des jüdischen Glaubensbekenntnisses eine Vergleichung zwischen Christenthum und Judenthum anstellte, konnte ich wohl bemerken, wie erstaunt sie waren, daß wir Christen mit ihnen so viel Gemeinsames hätten. Man fragte übrigens auch nach den Unterschieden zwischen den verschiedenen christlichen Konfessionen und verstand dieselben alsdann recht gut. Kurz, das Wissensintercsse für Fragen der Religion war nicht ausgestorbcn. Der gesammte Verkehr mit diesen Juden aber hinterließ mir recht stark den Eindruck, daß dieselben sich in jenen Uebergangszeiten befinden, denen hauptsächlich die Aufgabe zugefallen ist, das Alte zu stürzen, während ihre gegenwärtigen Versuche, ein Neues zu bauen, darum so wenig zu genügenden Ergebnissen führen können, weil für dieselben noch ein völlig unhaltbares Material verwandt wird. Die Herzen müssen aber erst durch die ferneren Lebenserfahrungen überführt werden, daß sie ein vergebliches Werk unternommen haben, und alsdann ist es möglich, daß die Zeit nahe herbeikommt, wo es ihnen offenbar werden wird, daß es nur ein Fundament gibt, auf dem ein Haus sicher stehen kann: „Jesus Christus, der Juden und der Heiden Heiland". Fanden nun in diesem Falle Berührungen mit Juden aus verschiedenen, vornehmlich slavischen Distrikten und Ländern statt, so beschränken sich die folgenden auf Juden einzelner und enger abgegrenzter Gegenden, gewähren aber dafür einen bestimmteren Einblick in das Judenthum einzelner Landschaften. Hierbei wird es sich zeigen, daß eben dasselbe auch im Osten durchaus nicht überall das gleiche Gepräge trägt, und daß insbesondere das slavische und das muhamedanische Judenthum recht bedeutende Unterschiede von eineinauder aufweisen, während beide doch gemeinschaftlich vor Allem die jüdische Orthodoxie zu repräsentireu scheinen. Sonst aber werden sich auch hier wieder zwei überall im Jndenthnme hervortretende Punkte wahrnehmen lassen: der eine, daß der christlicherscits unter den Juden ausgestreute Same des Gvtteswortes trotz aller Ver-