Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 30 (1874)
- Issue
- 7-8 (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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135 moderne Judenthum ist ein ganz anderes Ding. Die Lehre der Synagoge ist in. der That völlig von dem verschieden, was Moses im Pentateuch lehrte. Die Synagoge wurde durch die göttliche Vorsehung bestimmt, die jüdische Race vor der Vermischung mit den übrigen Völkern zu bewahren. Dieselbe erhielt sie als ein besonderes Volk und erfüllte so die Verheißung: „Siehe, dieses Volk wird allein wohnen und soll nicht unter die Völker gezählt werden". Sie wurde auch bestimmt, die Juden vor dem Atheismus und dem Unglauben zu bewahren. Aber man meine nicht, daß sie Mosen ergänzen oder Christum überflüssig machen könnte. Man blicke in die modernen jüdischen Gebetbücher und in ihre Commentare über solche Capitel wie Leviticus 10, welches überall das Evangelium Christi ausathmet, und sehe dann, wie sie so gar erbärmlich an den kleinsten Aeußerlichkeiten des Opfers haften bleiben, während sie den ganzen Geist und Sinn zugleich verloren haben, so wird man zu dem Schlüsse kommen, daß die moderne jüdische Synagoge mit jener alten Religion, welche MoseS lehrte und welche das Christenthum im Keime war, gerade wie das Christenthum der Mosaismus in seiner vollen Blüthenentsaltung ist, keine Verwandtschaft hat. Doch, ich möchte noch eine andere Frage fragen und beantworten: „Hat denn auch die Judenmissions-Gesellschaft gethan, was von ihr erwartet werden konnte?" Hier gilt es nun wieder, in welchem Sinne wird diese Frage gestellt? Was war zu erwarten? Es hat sowohl unvernünftige als vernünftige Erwartungen gegeben, und ich meine, diese unvernünftigen Erwartungen haben der Sache viel Schaden gethan. Wenn man erwartete, daß die Missionsgesellschaft die jüdische Nation als Nation bekehren würde, so hat dieselbe das nicht gethan und war auch niemals bestimmt, dies zu thun. Ich glaube, daß das jüdische Volk dereinst wieder als Nation sein Land bewohnen wird, und daß, wörtlich verstanden, die Füße Abrahams, Isaaks und Jakobs mit ihren auferstandenen Leibern auf dem jüdischen Boden stehn werden, denn ich kann unseres Herrn Worte nicht anders verstehn; aber das ist nicht das Werk dieser Gesellschaft. Unser Werk ist vielmehr ein zweifaches: Zuerst die Straße aufzuwerfen, die Steine von derselben hinwegzuthun, den Weg zuzubereiten, und das, glaube ich, haben wir gethan; und sodann zum Zweiten, zu einzelnen Juden zu gehen und „den Ueberbleib" zu sammeln, der mit uns in der Kirche der Auferstehung sein soll, wo es „keinen Unterschied giebt zwischen Juden und Heiden". Was die Wegbereitung betrifft, so blicke man an, was die Judenmissionsgesellschaft unter Gottes Fügung als Werkzeug ausgerichtet hat. Sie hat jene trennende Mauer nicdergerissen, die in früheren Zeiten zwischen den Juden und den Anderen ganz allgemein und in der That bis in die allerjüngste Gegenwart hinein