Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 30 (1874)
- Issue
- 7-8 (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Gesetz, welches Gott dem Volk Israel durch Moses gegeben hat, war ja in erster Linie ein religiöses; durch das Gesetz war der Bund zwischen Gott und Israel in seinen Pflichten für das Leben hingestellt worden. So war denn der Mittelpunkt und die Grundlage des Gesetzes das levitische Priesterthum, jene heilige Körperschaft, welche von Gott berufen war, das Volk zu vertreten im Heiligthum, für das Volk die Opfer darzubringen, die heilige Lebeusordnung des Volkes zu leiten, das Volk zu Gott zu führen. Und nun entsteht die hochwichtige Frage: Wurde durch dieses levitische Priesterthum die Vollendung geleistet? d. h. konnte dies Priestcrthum leisten, was zu einem vollen Bunde mit Gott gehörte; konnte es die vollkommene Vergebung der Sünden erwirken; konnte es die Sünde und Schuld tilgen und so die Schranke niederreißcn, welche zwischen dem heiligen Gott und dem sündigen Menschen bestand; konnte es so dem Menschen den Weg zum Himmel und zur Seligkeit bahnen, indem es ihn aus einem Sünder zu einem Kinde Gottes machte ■— oder war dies Priesterthum nur der Typus eines höheren, himmlischen Priesters, der diese Vollendung bringen sollte? Die Weissagung im 110. Psalm giebt die Antwort darauf: „Es sollte ein Priester kommen nach der Weise Mclchisedek's, nicht nach der Weise Aaron's, und dieser Priester, der Messias, sollte die Vollendung bringen und leisten". Die Weissagung von diesem Priester zeigt, daß das levitische Priesterthum nur auf Zeit gestiftet war, als Vorbereitung und Thpus^auf den ewigen Priester, den Messias. Hebr. 7,12. „Denn indem das Priesterthum gewechselt wird, findet nothwendigerweise auch Wechsel des Gesetzes statt." Durch den verheißenen Priester nach der Weise Melchisedek's fand ja nicht blos Wechsel des bisherigen aaronitischen Priesterthums, sondern auch Wechsel des Gesetzes statt. Das Priesterthum und das Gesetz nahmen beide in Israel eine centrale Stellung ein. Das Priestcrthum war der Mittelpunkt des religiösen Volkslebens und das Gesetz war die Grundlage des ganzen Alten Bundes. Jesus Christus, der Hohepriester nicht aus Aaron's Stamm, nicht durch gesetzliches Erbrecht berufen, hat das Evangelium gebracht. Seine gottnienschliche Person ist nun der Mittelpunkt, der Lebeuspuukt für das Volk des Neuen Bundes; sein Evangelium ist nun die Grundlage des Neuen Bundes. So ist