Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 30 (1874)
- Issue
- 7-8 (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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105 Friedens, und es liegt darin für uns Alle die Mahnung, Jeder an seinem Theil, in seinem Amt und Stand, in seinem Kreise, in seiner Familie nachznjagen der Gerechtigkeit und dem Frieden, und also mit allein Ernst darnach zu trachten, daß wir eingehcn durch die enge Pforte, die zum ewigen Frieden führt. Und was sich in unserm Herzen regt von unchristlichem Wesen, von Ungerechtigkeit und Sünde, von Unfrieden und Lieblosigkeit, das gilt es zu bekämpfen mit aller Macht in der Kraft des Friedefürsten, der unsre Gerechtigkeit ist. (Röm. 12,18; 1. Petri 3,11; Hebr.12,14.) Und nun wendet sich der Hebräerbrief zu dem, was die heilige Geschichte von Melchisedek verschweigt. Daher heißt es von ihm: „Ohne Vater, ohne Mutter, ohne Geschlechtsregister". Wenn wir diese Worte recht verstehen wollen, so haben wir zu beachten: Melchisedek kommt als Typus Jesu Christi in Betracht gerade in der Weise, wie er in 1. Mose in jener flüchtigen und doch so tief bedeutsamen Begegnung mit Abraham auftritt. Die heilige Geschichte giebt uns ja nicht eine Lebensbeschreibung von Melchisedek, sondern nur ein Augenblicksbild seiner wunderbaren Gestalt. In diesem Angenblicksbild ist der Priesterkönig ein Typus auf Christum. Er ist gewissermaßen der menschlichen Geschichtlichkeit enthoben; er tritt plötzlich aus dem Dunkel hervor und verschwindet dann wieder. So sagt die heilige Geschichte Nichts von seinen Eltern, seiner Abstammung. Es wird nicht gesagt, daß er wie die Priester in Israel einen Priester zum Vater habe und aus priesterlichem Geschlecht sei: und doch ist er Priester des Höchsten. Es wird uns nicht sein Stammbaum priesterlichcr Ahnen vorgeführt: und doch nimmt Abraham den Segen von ihm an und erkennt ihn durch den Zehnten ausdrücklich als Priester Gottes an. So ist Melchisedek Priester, nicht durch Erbrecht, wie Aaron's Nachkommen, sondern rein von Gottes Gnaden. Sein Priesterthum ist ein ihm persönlich von Gott gegebenes Amt, legitimirt nicht durch irdische Autoritäten, sondern durch die höchste Autorität, durch den Gott, dessen Diener alle Autoritäten und alle Priester sind. So ist Melchisedek ein Typus auf Christum, dessen Priesterthum nicht auf Abstammung von Aaron beruht, sondern der Hoherpriester ist durch Gottes unmittelbare Bocation und Berufung;