Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 30 (1874)
- Issue
- 7-8 (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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102 Gottes des Höchsten, der zusammentraf mit Abraham, als dieser zurückkehrte von der Niederlage der Könige und der da ihn segnete, welchem auch den Zehnten von Allem zutheilte Abraham; er, der zuvörderst verdolmetschet König der Gerechtigkeit ist, dann aber auch König von Salem, d. i. König des Friedens; ohne Vater, ohne Mutter, ohne Geschlechtsregister, weder einen Anfang der Tage, noch des Lebens ein Ende habend, vielmehr zum Abbilde gemacht des Sohnes Gottes, bleibet Priester auf immerdar." Es ist hier in einen großen Satz, in eine Periode zusammengefaßt und zusammengedrängt, was im 1. B. Mose (14, 17—20) von Melchisedek ausgesagt ist, und auch, was sich aus dem dort Verschwiegenen ergiebt. Es ist, als ob mit Einem großen, kühnen Pinselstrich ein Bild des Priesterkönigs entworfen werden sollte, ein Bild, das uns die ganze Eigenthümlichkeit seiner Persönlichkeit vor die Seele stellen sollte. Richten wir unsre Aufmerksamkeit jetzt auf die einzelnen Züge dieses Charakterbildes. Melchisedek ist König von Salem, d. h. von Jerusalem. Vergl. Ps. 76, 3. Melchisedek ist Priester Gottes des Höchsten, d. h. des Einen allerhabenen Gottes. Es ist hier nicht daran zu denken, daß Gott der Höchste als ein über viele andre Götter Erhabener genannt werde, sondern er heißt der Höchste als der über Alles absolut, schlechthin Erhabene. So sagt Philo (I. 103. 36): „Der Logos (das Wort), den Melchisedek abbildet, ist Gottes des Höchsten Priester, nicht als ob es einen andern nicht höchsten Gott gebe, denn Gott ist als der Eine im Himmel droben und auf der Erde unten, und ist keiner außer ihm". Es ist hier sofort zu beachten, wie an Melchisedek das doppelte, in seiner Person vereinigte Amt als König und als Priester hervorgehoben wird. In diesem Doppel-Amt liegt schon etwas Typisches, etwas Vorbildliches auf Jesum Christum, der Beides ist: der himmlische König und der himmlische Hohepriester. Melchisedek segnete den Abraham, als dieser von der Niederlage der Könige zurückkehrte. Mit ihm zusammen war auch der König zu Sodom erschienen. Beide boten Gaben dar, aber nur Mclchisedek's Gabe nimmt Abraham an, die des Königs von Sodom weist er zurück. In diesem trat die Welt an Abraham heran, im König von Salem aber das Reich Gottes. Abraham,