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Dibre Emeth · 1874-01-01 · 5-6 (1874) · page 28

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
30 (1874)
Issue
5-6 (1874)
Date
1874-01-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
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gebracht habe. Das schlagendste Beispiel hierfür habe Frankfurt a/M. geliefert. Wenn dagegen die Freiheit dies sonst nicht bewirken sollte, dann müßte im Interesse der religiösen Wahrhaftigkeit um so schneller das Zwangssystem aufgehoben werden, da die jüdische Religionsgemeinschaft hiernach im Grunde nur eine große Lüge gewesen wäre. Der Herzpunkt der Religion sei Wahrhaftigkeit Die stolzen Pracht-Synagogen stünden nur darum so leer, weil ihre Gemeinden im Innersten der Wahrheit entbehrten. Ucberzeugungsgemrilldcn würden auch'religiöses Leben an den Tag legen. Und während jetzt in fast ZOO unter 700 jüdischen Gemeinden Preußens die Jugend allen Religionsunterricht entbehre, werde , da, wo Herz und Gewissen Mitsprüchen, der religiöse Eifer erwachen. Der Zwang tödte das religiöse Leben überall in seinem innersten Nerv. — Das sittliche Gefühl jedes Unparteiischen wird sich in dieser Frage durchaus Mit R. S. Hirsch eins wissen. Uns erscheint es überdein von besonderer Wichtigkeit, daß die Gestaltung der Verhältnisse unserer Juden unter dem Einflüsse der sie umgebenden Cultur die religiöse Schwäche und Arinuth der Einen recht deutlich zu Tage treten läßt, während derselbe Anlaß die Anderen dazu führt, über die tiefere innere Bedeutung jeder religiösen Frage -nachzudenken. Das talmudische.Judenthum hatte je länger je mehr an wahrhaft religiösem Gehalte verloren; deßhalb war die Mendelssohnsche Reformbewegung im Stande gewesen dasselbe bis in seinen innersten Grund zu erschüttern; das neuere Kulturjudenthum aber schrieb feinen Sieg der eigenen Lebcnsmacht, und nicht der Ohnmacht der alten Orthodoxie zu. Jetzt sind jedoch für das neuere Judenthum die Zeiten der Proben cingetreten, und diese nöthigen nun wieder die Selbstzufriedenen und Sicheren sich zu besinnen, wüsste denn eigentlich an wahrem Lebensgehalt besitzen. Da mag man.immer noch, wenn diese Frage angeregt wird, für's Erste Mit sich', .selber zufrieden bleiben, es ist jedesfalls bereits ein großer Fortschritt, wenn die Geister veranlaßt werden, über die letzten und tiefsten Principien nachzudenken. Auf diese Weise wird wieder die Bah». für die Erweckung eines größeren Ernstes in den religiösen Angelegenheiten eröffnet und eben damit das Neue, dem wir hoffend entgegeusehn, eingeleitet. Denn die Selbstgenügsamkeit und Sicherheit der Juden war bisher jener schlimmste Feind, welcher sie religiös nicht vorwärts kommen ließ. Daß sie heute, wo sie ihre höchste

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