Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 30 (1874)
- Issue
- 5-6 (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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M und sie zu Mittelpunkten der Kultur gemacht oder ein wahres Gemeindeleben erzeugt habe, so weist Hirsch nicht blos auf die außerdeutschen Länder, welche ein lebendiges Gemeindewefen ohne Zwang kennen, sondern auch darauf hin, daß die Judengemeinden Deutschlands fast alle vor der Einführung des Zwangssystems, das übrigens erst durch Hieronymus von Westfalen auf den Deutschen Boden verpflanzt worden ist, bestanden, und daß eben jene früheren Gemeinden den heftigsten Stürmen (ber mittelalterlichen Zeit Trotz geboten hätten. Zugleich aber behauptet er, daß staatlicher Zwang nie ein wahres religiöses Gemeindeleben erzeugen könne; denn die Religionsgemeinde beruhe auf einem Inneren, auf der Gemeinsamkeit der religiösen Ueberzeugungen. Nur die Steuergrofchen könne der Staatszwang zusammentreiben, nicht aber die Herzensgesinnungen vereinigen. Und so habe denn auch das Zwangssystem das gerade Gegentheil dessen, was es wirken wollte, bewirkt. Seit seinem Entstehen hätten sich die verschiedenen Richtungen innerhalb der Gemeinden zu einem Gegensätze ausgebildet, der alle Gemeinschaft unmöglich mache. Denn freilich nicht blos um die Gemeinschaft des Gottesdienstes, sondern um die des ganzen Lebens handle es sich bei diesen religiösen Partei-Differenzen, da sich dieselben bis auf's Essen und Trinken und Baden n. s. w. erstreckten. Statt der Weckung eines wahren Gemeindelebens sei daher unter diesem System, welches auf das Gewissen gar keine Rücksicht genommen habe, eine Ertödtung des wahren religiösen Lebens eingetreten; denn allgemein herrsche nun in den Judengemeinden Fanatismus und Heuchelei, Jndifferentismus und Mantel tragende Cvnnivenz; hätte man die Gegensätze einen geistig sittlichen Wettkampf kämpfen lassen, so hätte die Wahrheit den Sieg errungen. Indem aber der Staat einander völlig ausschließende religiöse Gegensätze zu einer Religionsgemeinschaft zusammenzwängte, sprach er es aus, daß auf religiösem Gebiete Alles einerlei sei, und wurde so der Vater jenes Nihilismus, der alle Völker und Staaten auf's Tiefste bedroht. Die Aufhebung des Zwanges würde daher wieder den unveräußerlichen Werth der religiösen Wahrheit proklamiren, der durch keinerlei materielle Interessen ausgewogen werden könne. Die Gemeinden würden durch eine solche Theilung und Trennung in ihrer Mitte übrigens nicht untergehn, da die Willigkeit und Begeisterung weit ersetzen werde, was der Zwang nur mit Nvth auf-