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Dibre Emeth · 1874-01-01 · 5-6 (1874) · page 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
30 (1874)
Issue
5-6 (1874)
Date
1874-01-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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88 Denn das ist der große Fortschritt, zu dem überall der Ernst der Zeiten drängt. Auch den Juden war es. möglich gewesen, so lange sie noch vereint den Kampf um die Emancipation zu kämpfen hatten, es zu verdecken, daß unter ihren Parteien Differenzen beständen, welche durchaus die Trennung der verschiedenen Elemente forderten. Sie hatten so lange noch zu viele äußere Aufgaben zu lösen und zu viele Positionen im bürgerlichen Leben zu. erobern, als I»aß sie den Hader in ihrer eigenen Mitte schon seine schärfste Gestalt hätten annehmeu lassen. Es standen ihnen noch so viele Hindernisse und Feinde im Wege, die alle ihre Parteien gleichermaßen als Hindernisse und Widersacher empfanden, daß sie sich diesen gegenüber in ein Bündniß getrieben und zur Sammlung aller Kräfte angespornt fühlten. Nun, wo sie sich unter uns, nach einem ziemlich allseitigen Geständniß in ihrem Lager, im Wesentlichen am Ziele ihrer Bestrebungen sehn, drängen sich die innern Parteifragen um so entscheidender hervor. Der Kampf zwischen Orthodoxen und Reformern gewinnt unter ihnen eine andere und neue Bedeutung: Man ist berechtigt, den bisherigen Parteikampf der Juden in den letzten hundert Jahren so zu bezeichnen, daß man sagt: seit Mendelssohn haben die jüdischen Parteien mit einander einen Kampf geführt, wie ein solcher etwa zwischen den verschiedenen politischen Parteien eines Parlaments stattfindet. Jede Partei suchte die Oberhand über die andere zu gewinnen, und für die geschlagene blieb dann nichts Anderes übrig, als sich so gut wie möglich in den damit herbeigeführten Zustand der Dinge zu finden. Die theils durch Majoritäten, theils durch Regierungsmaßregeln in den Hintergrund Gedrängten blieben aber immer der Hoffnung, daß sie wieder an das Ruder kommen würden; und, wenn ihnen solches gelang, dann vergalten sie ihren früheren Unterdrückern nach dem Rechte des Siegers. Die neuere Geschichte zumal der deutschen, österreichischen und ungarischen Juden enthält hiervon höchst lehrreiche Beispiele. Gegenwärtig jedoch scheinen die Juden Deutschlands, welche von der allgemeinen religiösen Erregung des Landes mit ergriffen sind, wenigstens zu einem Theile von der religiösen Frage und ihrer gewaltigen Bedeutung tiefer bewegt zu sein; denn es zeigen sich unter ihnen Erscheinungen, welche von dem Gefühle Hervorgerusen werden, daß jene frühere oberflächliche Behandlung des Religiösen in zu scharfem Widerspruch mit seiner hohen Würde stehe. Kein Pactiren, kein

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