Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1874-01-01 · 5-6 (1874) · page 23

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
30 (1874)
Issue
5-6 (1874)
Date
1874-01-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2554541-2554813-2554817--06177-2562156
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

87 versteht abzulehnen, was die Liebe nicht annchmen darf, steht hier als Lebensvorbild vor uns. Und noch Eins: in dem König von Sodom steht Abraham die Welt gegenüber. Er hütet sich, mit der Welt sich abermals, wie in Egypten, zu verstricken. Er läßt sich genügen an den« Segen Gottes, wie er ihm durch Melchisedek verkündigt ist. Im Glauben und in der Liebe wandelt Abraham. Gottes Segen ist mit ihm. So mögen auch wir durch Gottes Gnade und Segen in die Fußtapfen des Glaubens und der Liebe Abrahams treten. Ein Lebenszeichen. Der Kampf zwischen den Orthodoxen und den Reformern unter den Juden Preußens und Deutschlands hat zuallermeist nur höchst unerfreuliche Erscheinungen zu Tage gebracht. Die Führungen Gottes jedoch, welche auf allen Gebieten des Lebens in unserem Volke zu Entscheidungen drängen, scheinen auch unter den Juden unseres Vaterlandes Bewegungen anzubahuen, die in der That einen sittlichen Fortschritt in dem gesammten religiösen Zustande derselben zur Folge haben könnten. Seit Anbruch der neuen Periode unter den Juden der Kulturländer, welche dieselben aus ihrer früheren Abgeschlossenheit heraus und in die allgemeinste Betheiligung an dem gesammten äußeren Leben ihrer Umgebung eingeführt hat, sind zwar genug Differenzen unter ihnen hervorgetreten, und zumal hat die Frage, wie die Besonderheit Israels mit seiner Theilnahme an dem nationalen Leben der Völker, unter denen es zerstreut wohnt, vereinigt werden könne, die Einen veranlaßt, den Zusammenhang mit der alten talmudischen Form in einem gewissen Maaße und Umfange als unerläßlich hinzustellcn (die Orthodoxen), während die Anderen die neue Verbindung mit der übrigen Welt als die entscheidende Hauptsache betonten (die Reformer), aber dieser Streit blieb im Ganzen und Großen ein Handeln und Feilschen um Einzelheiten, bei denen.sich nirgends ein klares religiöses Prinzip als der wirklich Ausschlag gebende Faktor erkennen ließ. Jetzt werden aber auch unsere Jilden gedrängt, anstatt ihrer zweiten Fragen und Streitigkeiten die Grundfrage sich ernsthafter zu beantworten: die Frage, wie es denn mit der religiösen Wahrhaftigkeit unter ihnen steht?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.