Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 30 (1874)
- Issue
- 5-6 (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2554541-2554813-2554817--06173-2562152- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
83 Herr hat gesagt zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis daß ich lege deine Feinde zum Schemel deiner Füße?" (Ps. 110.) So nun David ihn einen Herrn nennet, wie ist er denn sein Sohn? Und Niemand konnte ihm ein Wort antworten." Wie oft hatten sie den Heiland gefragt, ihn zu fangen in seiner Rede, und er war ihnen nie eine Antwort schuldig geblieben und hatte sie oft zum Schweigen gebracht. Nun aber, da er sie einmal fragt, da er sie durch diese Frage in bie Tiefe der prophetischen Lehre vom Messias führen will, da ist ihre Antwort Verstummen; sie können ihm in diese Tiefe nicht folgen. Dieses Verstummen ist von Bedeutung für die Auslegung des 110. Psalms. Nach dem Wort: „Wer schweigt, der deutet damit seine Zustimmung an", ist ihr Verstummen ein Zugeständniß davon, daß dieser Psalm vom Messias handle. Die damalige Auslegung in Israel faßte also diesen Psalm als einen mcssianischen. Das heilige Räthsel, das der Heiland den Pharisäern vorlegt, faßt sich in den Gedanken zusammen: Christus, der Messias, ist nach den Weissagungen Davids Sohn, er ist aus Davids Stamm; wie vereinigt sich damit, daß David ihn hier im Geist (d. h. prophetisch erleuchtet durch den Geist Gottes) in einer Weissagung seinen Herrn nennt? Der Davidssohn ist aber nach dem Psalm nicht etwa in dem Sinne Herr, daß er nur ein größerer Herrscher wäre, daß er nur die Grenzen seiner Herrschaft weiter ausgedehnt hätte, sondern er ist Davids Herr, weil sein Thron ihm bereitet ist im Himmel zur - Rechten Gottes. Hier ist also überschwänglich mehr als David. In göttlicher Herrlichkeit steht der Messias vor Davids innerem Auge, das-ihm durch den Geist Gottes aufgethan ist. . Und -je Lösung der Frage an die Pharisäer ist die: Der Messias ist Davids Sohn und zugleich auch Davids Herr, weil er menschlichen und zugleich auch übermenschlichen Wesens ist. Der Anfang des Psalms lautet V. 1. 2: „Spruch Jehovas an meinen Herrn: Setze dich zumeiner Rechten, bis daß ich mache deine Feinde zum Schemel deiner Füße. 6*