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Dibre Emeth · 1874-01-01 · 5-6 (1874) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
30 (1874)
Issue
5-6 (1874)
Date
1874-01-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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79 Melchisedek. Betrachtung von F. Häufig, Missionsprediger in Berlin. Itöraham und Melchisedek. Die heilige Geschichte giebt uns die Wahrheit, ohne etwas zu verhüllen und zu beschönigen. Sie zeigt uns den Menschen, wie er ist, und giebt uns so ein treues Bild des menschlichen Herzens, in dem wir uns selbst wiedererkennen sollen. Sie giebt uns auch von Abraham, dem Manne des Glaubens, nicht ein idealisirtes Bild, sondern zeigt uns an ihm Licht und Schatten. Sie verschweigt uns nicht, daß auch er den Schlangenstich erfahren, und läßt uns erkennen, daß er nicht der war, der der Schlange den Kopf zertreten. Nur Einer konnte von sich sagen: „Es kommt der Fürst dieser Welt und hat nichts an mir." (Joh. 14, 30.) Als Abraham um der Hungersnoth willen nach Egypten zog'), kam ihm der erschreckende Gedanke, daß die Egypter, um sein schönes Weib nehmen zu können, ihn tödten werden. Ueber den vor ihm gähnenden Abgrund des Verderbens will er eine Lüge als rettende Brücke schlagen. Sarah soll sich für seine Schwester ausgeben: dann werde er nicht blos dem Tode entgehen, sondern es werde ihm auch gut ergehen um ihretwillen. In Selbstsucht giebt er die Gattin, die Mutter des Gottesvolks, preis, auf die Gefahr hin, daß ihre Ehre zum Opfer falle. Seine Menschenfurcht hat seine Gottesfurcht und sein Gottvertrauen verdrängt. Abrahams Fall ist ein tiefer. Das läßt ihn Gott fühlen, der Sarah rettet, aber ihn tiefe Beschämung vor Pharao erfahren läßt, der zu ihm sagt: „Warum hast du mir das gethan? Warum sagtest du mir nicht, daß sie dein Weib wäre?" Abraham, der Mann des Glaubens, mußte so mit bösem Gewissen vor dem Heiden stehen, der ihm Buße predigte. Aber es rief ihn zur Buße auch Gottes Güte2), die sich mit mächtigem Liebeszuge in der Rettung ihm geoffenbart hatte. Und Abraham war nicht trotzig, sondern hielt der Hand des 1) 1. Mose 12, 10-20. Vgl. Römer 2, 4.

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