Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 30 (1874)
- Issue
- 5-6 (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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1 j - J trübe Erfahrung sich vor die Seele hinstellt, so doch auch manche j erfreuliche. Auch unter denen, die zuletzt getauft worden sind, haben! manche schon Treue und Liebe zu dem Herrn deutlich an den Tag ■ gelegt, wie solches recht erfreulich an unserm lieben L. D. sich erwiesen hat, der zugleich mit dem Studenten der Rechte in Odessa; I. M. O. getauft worden ist. Ein kurzer Ueberblick einiger Züge!s seines Lebens möge hier folgen: S. B. D., Sohn bemittelter Eltern, 1855 geboren, erhielt eine seinen Verhältnissen entsprechend gute Erziehung, so daß er sich bedeutende Kenntnisse der hebräischen Sprache und tieferen Einblick in den Talmud aneignete. Da er ein sehr strebsamer Mensch ist, so benutzte er jede Gelegenheit, seine Kenntnisse zu erweitern. Bei . einem seiner Bekannten bekam er eine vollständige Bibel in hebr. Sprache, d. h. das Alte Testament, in welcher ihn sonderlich die Propheten ungemein ansprachen. Bekanntlich ist den orthodoxen talmudischen Juden nur bis zum 11. Lebensjahre gestattet, die Bibel zu lesen, von dann an müssen sie mit dem Talmud sich beschäftigen ' und wird ein späterer Gebrauch der Bibel als ein gefährlicher Rückfall angesehen. Die herrliche Sprache der Propheten und noch; mehr der tiefe Inhalt derselben sprach ihn ungemein an. Bald zeigte es sich auch, daß er die Propheten nicht ohne Nutzen gelesen hatte, da er mit Vielen über die merkwürdigen Stellen derselben redete. Er erhielt nun von seinen Eltern das Verbot, die Schrift ferner zu lesen, da solches Lesen nur zu unnützem Grübeln führe. Er konnte aber diesem Verbote nicht Nachkommen, da er darauf hinwies, daß in dem täglichen Gebete der Juden deutlich ausgesprochen sei, daß man dem Worte der Propheten zu glauben habe. In eigenen Angelegenheiten hatte B. D. nach Berditschew zu reisen, ' wo er ein Neues Testament in hebr. Sprache kaufte, in welchem ein gedruckter Zettel mit der Anzeige sich befand, daß in Kischinew eine Niederlage solcher Bücher sich befände. Er las in dem Buche und wurde begierig, sich über manche Stellen Aufschluß zu verschaffen. Er meinte solchen Aufschluß in Kischinew, wo jene Bücher verkauft werden, erlangen zu können. So kam er denn zu dem hiesigen Buchhdlr. T. und erkundigte sich, ob solche Bücher vorhanden seien, was ihm bejaht wurde. Als er nun aber sich dahin äußerte, daß wohl auch eine entsprechende Person vorhanden sei, die ihm nähere Erklärung darüber geben könne, wurde er von jenem Buchhändler!