Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 30 (1874)
- Issue
- 5-6 (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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71 an uns gewiesen. Auf diesem Wege kam er denn zu uns, wurde im Asyl ausgenommen und ist uns ein sehr lieber Katechumen geworden. Mit großem Eifer und kindlicher Aufrichtigkeit gab er sich der Wahrheit hin, so daß er nach erhaltenem Unterrichte in den Heilslehren des Christenthums zur Prüfung zngelassen werden konnte. Bald nach seiner Prüfung machte ich meine Reise nach dem nördlichen Bessarabien. Den jungen Mann, welcher wohlhabende Verwandte, Vater, Mutter und eine junge Frau verlassen hatte, in Kischinew zurückzulassen, schien mir gefährlich, da seine Verwandten ihm leicht Unannehmlichkeiten bereiten konnten; ich schickte ihn daher in die Kolonie Kassel zu dem Herrn Pastor Katterfeld, welcher schon in früherer Zeit Liebe für die Arbeit an Israel an den Tag gelegt hatte. Dort sollte er in aller Stille in einer evangelischen Gemeinde warten, bis die Zeit seiner Taufe heranrücke. Wie ich befürchtete, so geschah es denn auch. Nach einigen Wochen kamen Vater, Mutter und Schwiegervater. Sie suchten ihn in Kischinew und müssen durch Spionage der Juden es herausgebracht haben, daß er in der Kolonie Kassel sich befände. Jetzt trat eine wunderbare Führung unsers treuen Gottes ein. Während dessen nun die Verwandten in Kischinew erfuhren, daß er in Kassel sich befinde, und sich dieselben daher dorthin auf den Weg machten, fuhr, aus äußeren Umständen veranlaßt, B. D. auf Rath des Herrn Pastor Katterfeld nach Kischinew zurück. Die Verwandten des B. D. treffen nun in Kassel ein, weisen der dortigen Obrigkeit einen von ihrer örtlichen Behörde ertheilten Verhaftungsbefehl auf und fordern die Auslieferung des D. Wäre nun B. D. noch dort gewesen, so hätte das Schulzenamt ihn nicht schützen können und er würde wahrscheinlich gefesselt fortgeschleppt worden sein. Mittlerweile war B. D. wohlbehalten in Kischinew angekommen, ohne nur zu ahnen, wie der treue Herr ihn so gnädig geführt habe. Es stellte sich später heraus, daß er in Tiraspol mit seinen Verwandten in demselben Hause gewesen ist, ohne daß dieselben von einander etwas wußten. Nach einigen Tagen waren selbstverständlich jene Verwandten wieder hier und erschienen mit einigen Polizeisoldaten im Asyl, um den armen jungen Mann zu verhaften. Erst suchte nun seine Mutter ihn mit Küssen und Liebeserweisnngen zu gewinnen, sie hielt ihm vor, daß er so bequeme und gute Verhältnisse, eine schöne Frau und auch jetzt ein vor kurzem geborenes Kind verlassen habe, daß