Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 30 (1874)
- Issue
- 3-4 (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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52 (3, 11): „Ihre Propheten wahrsagen um Geld, verlassen sich auf den Herrn und sprechen: Ist nicht der Herr unter uns? Es kann kein Unglück über uns kommen." Wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten. Ein Sprüchwort sagt:. „Wo sich Gott eine Kirche baut, da baut sich Satan eine Kapelle daneben." Das Bild der falschen Propheten möge dazu dienen, die wahren Propheten, die Werkzeuge der göttlichen Offenbarung, in ein helleres Licht zu stellen. Die falschen Propheten verkündigten, was das natürliche Menschenherz denkt und fühlt und wünscht. Die wahren Propheten aber stellten dem Volk das Bild des Menschen nach dem Herzen Gottes vor die Seele, und ihre herrliche Aufgabe bestand darin, Israel zu einem wahren Gottes-Volk zu erziehen. Der Erreichung dieses Ziels stellten sich zwei Hindernisse in den Weg. Auf der einen Seite die falschen Propheten, als die Repräsentanten und Sprecher der Welt, ihres Geistes und ihrer Interessen, als die Vertreter derer, welche von dem gewaltigen Ernst des Lebens, wie er durch die Gottes-Propheten verkündigt wurde, nichts wissen wollten, welche ihre Ohren der Stimme der Gnade, die zur Buße mahnte, verschlossen. So spricht Amos (2,12): „Ihr gebietet den Propheten und sprechet: Ihr sollt nicht weissagen." Wer nicht aus der Wahrheit ist, dem ist die Stimme der Wahrheit lästig.*) Sie wollten nicht Buße thun, theils weil sie in ihren Sünden verstrickt waren, wie Zephanja (3, 5) klagt: „Die bösen Leute wollen sich nicht schämen lernen"; theils weil sie selbstgerecht sich über den Zustand ihres Herzens zu täuschen suchten und etwa glaubten, Gott mit äußerliche» Dingen, mit Opfern, bei welchen sie ihr Herz nicht mit darbrachten, abfinden zu können, wogegen Micha (6, 8) mit gewaltigem Ernst sagt: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demüthig sein vor deinem Gott" — ein Wort, welches erinnert an den Ausspruch Samuels: „Gehorsam ist besser denn Opfer" (1. Sam. 15, 22) und an das Wort Gottes bei Hosea (9, 6): „Ich habe Lust an der Liebe, und nicht am Opfer". Ein zweites Hinderniß der Heiligung des Volks war der