Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 30 (1874)
- Issue
- 3-4 (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Herr so, als wäre er der Prophet; so redet Hos. 5, 1 der Prophet, und im 2. Vers unmittelbar darauf redet der Herr. Und dieses innige, persönliche Verhältniß zwischen dem Herrn und seinen Propheten ist eine Weissagung von dem, was in der Zeit des Heils kommen sollte, wo der versöhnte Gott in das innigste persönliche Verhältniß zu jeder erlösten Menschenseele treten wollte, wie dies bei Sacharja (12, 10) ausgesprochen ist in den herrlichen Worten: „Ucber das Haus Davids und über die Bürger zu Jerusalem will ich ausgießen den Geist der Gnade und des Gebets". Die Gnade ist die Versöhnung, und das Gebet ist der Kanal des persönlichen Verkehrs zwischen dem Menschen und Gott, ist die Jakobsleiter, auf welcher die Menschenseele sich flehend zum Himmel erhebt und auf welcher die Antwort, die Erhörung auf die Erde herabsteigt. Ohne Gebet kein persönliches Verhältniß zu Gott und keine Gnade. Die hohe Wichtigkeit des persönlichen Verhältnisses hebt Paulus hervor, wenn er mahnet (1. Thess. 5, 17): „Betet ohne Unterlaß", d. h. bleibt beständig in dem innigsten persönlichen Verkehr mit eurem Gott und Heiland. Möge die Betrachtung der Stellung, in welcher die Propheten zu Gott standen, uns Allen den Segen bringen, daß wir die ungemein hohe Bedeutung des persönlichen Verhältnisses zu Gott neu erkennen und beherzigen und daß wir uns durch den in den Weissagungen wehenden Geist der Gnade und des Gebets im Glauben und in der Liebe mögen neu stärken lassen. Neben den wahren, den Gottes-Propheten traten in Israel aber auch falsche, Menschen-Propheten auf, von denen das galt, was Paulus sagt (2. Timoth. 4, 3, 4), daß sie lehrten, nach dem den Leuten die Ohren jückten, daß sie die Ohren von der Wahrheit wendeten und sich zu den Fabeln kehrten. Wir lesen bei Micha (3, 5) von den falschen Propheten: „So spricht der Herr wider die Propheten, so mein Volk verführen: Sie predigen, es solle wohl gehen, wo man ihnen zu fressen gebe; wo man ihnen aber nichts in das Maul giebt, da predigen sie, es müffe ein Krieg kommen." Und derselbe Prophet bezeugt (2, 11), wie beliebt diese Verführer beim Volk waren: „Wenn ich ein Jrrgeist wäre und ein Lügenprediger und predigte, wie sie saufen und schwelgen sollte», das wäre ein Prediger für dies Volk". Die falschen Propheten bestärkten das Volk in der falschen Sicherheit. So klagt Micha 4*