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Dibre Emeth · 1874-01-01 · 3-4 (1874) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
30 (1874)
Issue
3-4 (1874)
Date
1874-01-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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47 auf den Vertrauten; vor deiner Busenfreundin vermache die Pforten 1 deines Mundes". Wenn man solche Zustände mit Menschen-Augeu betrachtet, was möchte man dann wohl sagen? Welcher Prediger hätte wohl Muth und Freudigkeit, in einer solchen Wüste von Sünde und Schande noch seine Stimme zu erheben, wenn er eben mit seiner Kraft etwas ansznrichten gedächte? Wer möchte nicht die Geduld verlieren, wenn er solche Zustände in einem Volk sähe, welches das Wort und die Offenbarung des heiligen Gottes besaß und seine Gnade hundert- und tausendfältig erfahren hatte? Möchte man nicht das Gefühl haben, wie wenn in einer Stadt die Pest ausgebrochen wäre und Alles sich wie ein Lcichenfeld darstellte und der Ruf ertönte: Lasset uns fliehen; Alles ist verloren! So möchte der Mensch fühlen und denken, der Mensch mit seiner Kurzsichtigkeit, der Mensch mit seiner kleinen und schwachen Liebe, der Mensch, der sich so leicht irre machen läßt, der Mensch, dessen Langmuth eine so kurze Dauer hat, der Mensch, der die geheimen Fäden der Menschen- und Völkergeschicke nicht kennt. Wie ganz anders steht Gott der Herr zu diesen Zuständen seines Volks. Wie er dem in Sünden versunkenen Menschengeschlecht noch 120 Jahre Frist gab, ehe die Sündfluth kommen durfte, wie er Pharao noch Frist gab, sich zu beugen, so gab er auch seinem Volk noch Frist, ehe das Gericht kommen durfte, ehe Assur dem Reich Israel, ehe Babel dem Reich Juda den Todesstoß geben durfte. Schon zogen die Wetterwolken am Horizont herauf, schon entluden sich einzelne Schläge des Gerichtswetters — und immer noch Frist. Bis zum letzten Augenblick erklang die warnende Gnadenstimme durch die Propheten. „Thut Buße", das ist der Ruf, der durch alle Zwölf hindurchgeht; thut Buße, so wird das Gericht abgcwendct werden. Wenn auch bereits das Wetter am Himmel steht, Gott, der es rief, kann die finstern Wolken wieder zerstreuen, daß die Sonne der Gnade und des Friedens wieder leuchte. Was diese Sonne verhüllte, das war ja des Volkes Sünde und Schuld. Aber wenn das Volk verharren wird in seiner Sünde und Verstocknng, dann wird und muß das Gericht kommen. Darüber hat Gott sein Volk nicht in Unwissenheit gelassen, sondern hat durch seine Propheten den Schleier der Zukunft gelüftet. So verkündigt Micha, nachdem er dem Volk und den Fürsten, den Priestern^unh

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