Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 30 (1874)
- Issue
- 3-4 (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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4R Gnade des heiligen Gottes; das Ohr, welches verschlossen ist gegen die süße Stimme der Gottlosigkeit und Untreue, ist geöffnet durch den Geist Gottes für die Stimme der ewigen Wahrheit. So standen die Propheten zu ihrer Zeit. So beleuchten sie mit dem Licht des Wortes Gottes ihre Zeit, daß wir einen Blick in die Herzen von König und Volk thun können; so halten sie Israel den Spiegel des heiligen Gottesgebotes vor, denn sie dürfen mit Micha (3, 7) von sich sagen: „Ich bin voll Kraft und Geistes des Herrn, voll Rechts und Stärke, daß ich Jacob sein Uebertreten und Israel seine Sünde anzeigen darf". Wie in Kriegszeiten der Wächter auf der Warte steht, auf welcher er eine weite Umschau halte» kann, und wie er aufmerksam den Horizont auf alle» Seiten überblickt, ob etwa Feinde nahen, deren Ankunft er sofort signalisirt, damit die Kriegsleute sich zum Streit rüsten und nicht unverhofft überfallen werden*): so steht der Prophet auf seiner geistlichen Warte; er überschaut von seinem Standpunkt als Knecht Gottes und als Wächter und Herold der Wahrheit, der Treue, der Frömmigkeit und Sittlichkeit den Zustand des Volks, er achtet auf jeden innern Feind, der den Herzen des Volks den Angriff droht, heiße er Götzendienst oder Untreue gegen den himmlischen König, oder Unehrlichkeit, oder Unzucht, oder Bedrückung, oder Ungerechtigkeit: er ruft: Der Feind ist da, hütet euch, rüstet euch zum Streit, daß ihr nicht hülstos überfallen und unterjocht werdet! Solche Wächterrufe hören wir vielfältig aus dem Munde der zwölf Propheten. So ruft Hosea (4, 1. 2) seiner Zeit warnend zu: „Es ist keine Treue, keine Liebe, kein Mort Gottes im Lande; sondern Gotteslästern, Lügen, Morden, Stehlen und Ehebrechen hat überhand genommen, und kommt eine Blutschuld nach der andern". So deckt Micha (7, 6) den versunkenen Zustand des Familienlebens auf: „Der Sohn verachtet den Vater, die Tochter setzt sich wider die Mutter, die Schwiegertochter ist wider die Schwiegermutter, und des Menschen Feinde sind sein eigenes Hausgesinde". Welch ein Zustand, wen» die Grundsäulen der menschlichen Gesellschaft also wanken! Derselbe Prophet bezeugt, wie sehr Treue und Glauben im Lande geschwunden waren (7, 5): „Trauet nicht auf den Nächsten, verlaßt euch nicht *) Vgl. Hesck. 33, 1-3.