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Dibre Emeth · 1874-01-01 · 3-4 (1874) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
30 (1874)
Issue
3-4 (1874)
Date
1874-01-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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45 barung über die Erlösung aus dem Exil fort. Und wenn man treffend gesagt hat, daß das Wort Gottes einem gothischen Dom zu vergleichen sei, an dem jede Säule ihre Bedeutung für das Ganze habe, so ist auch dies Wort des Jesaia vom König Cores eine Säule unsres Glaubens und unsres Gottvertrauens, die wir uns nicht dürfen nehmen lassen. König Cores von Persien wurde dem Volk Israel geneigt, und durch seine Gewährung wurde von den zurückgekehrten Exulanten Jerusalem und der Tempel wieder erbaut. Näheres darüber melden auch die Propheten Haggai und Sacharja. Durch diese Zeit hindurch erstreckt sich die Wirksamkeit der zwölf Propheten. Welches ihre Stellung zu ihrer Zeit war, das läßt sich im Allgemeinen durch die Worte des Propheten Habakuk (2, 1) bezeichnen: „Auf meiner Warte will ich stehen und mich stellen auf den Wachtthurm und will ausschauen, zu sehen, was er in mir reden wird". Tiefbedeutsame Worte! Der Prophet nimmt im Leben einen Standpunkt ein, der hoch erhaben ist über das gemeinmenschliche Getreibe, hoch erhaben über den Streit der Parteien und über das politische Wesen und Unwesen, hoch erhaben über das Blendwerk, welches die Menschen im Leben so oft täuscht und irre führt. Er läßt sich nicht bestechen durch das, was glänzt und doch kein Gold ist; er läßt sich nicht verlocken durch das, was mit Zaubermacht die Herzen nach sich zieht und am Gängelband führt; und der Zeitgeist, dem so Viele huldigen, den sie unbesehens als aller Weisheit Krone annehmen, hat über den Propheten keine Macht. Aber was ist es, das ihm diese Ausnahmestellung giebt, was ist es, das sein Auge so klar, seine Seele so nüchtern macht, das ihn lehrt die Geister prüfen? Ist es seine Weisheit und Klugheit? ist es feine sittliche Kraft? ist es sein fest gegründeter Charakter? mit einem Wort: Stammt es aus ihm? — Das Wort des Habakuk giebt uns die Antwort: „Ich will ausschauen, zu sehen, was er in mir reden wird". Die Warte, auf welcher der Prophet steht, ist nicht ein Menschen-, sondern ein Gottes- Bau; das Auge, mit welchem er klar schaut auf das Menschengetriebe unten, ist von Gott erleuchtet; das Herz, welches fest ist gegen den Lug und Trug der Zeitmcinungen, gegen die Macht der Tagesströmungen und der modernen Sünden, ist gestählt durch die

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