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Dibre Emeth · 1874-01-01 · 3-4 (1874) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
30 (1874)
Issue
3-4 (1874)
Date
1874-01-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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43 Das Volk Gottes stand damals nicht mehr als ein geschlossenes Ganze, als ein einig Volk von Brüdern da, das wie Ein Mann jedem Feinde entgegentretcn konnte, sondern es war in zwei Theile zerrissen, in das. Reich Juda und in das Reich Israel. Jedes dieser Reiche war, menschlich betrachtet, ohnmächtig gegen einen so gewaltigen Feind, wie Assur und Babel waren, aber sie waren geschützt durch eine feurige Mauer,*) die jedes, auch des mächtigsten Feindes spottete, so lange der König aller Könige auf ihrer Seite, so lange Gott im Himmel ihr Aliirter war. Und er war ihr Alliirter; er hatte mit ihnen seinen Bund geschlossen und in diesem Bund ihnen seinen Schutz und Segen verheißen. Er war ihr treuer Alliirter, ihr Bundesgott zu Schutz und Trutz, so lange sie an dem Bunde festhielten, so lange sie die Bundestrene bewahrten. Aber die Zeit der großen Gerichte kam mit ihren Schrecken auch über Juda und Israel und Gottes Hand mußte sich schwer auf das Gottesvolk legen. Die feurige Mauer des Schutzes sank hin, eingcrissen durch die gottlose, thörichte Hand des untreuen Volkes selbst. Es ist eine Zeit der Gerichte, in welcher die zwölf Propheten wirken. Ein Volk nach dem andern unterliegt den Weltmächten, bis das Reich Israel durch die Hand Assurs fällt. Dann ergeht das Gericht über das assyrische Weltreich, es erfährt an sich das Wort: „Zuerst Hammer, dann Ambos", und das chaldäisch-babylonische Reich ergreift die Weltherrschaft. Sein König Nebucadnezar dient Gott dem Herrn als Zuchtruthe für das Reich Juda. Es wird zerstört, Jerusalem mit dem Tempel sinkt in Trümmer und das Volk wird in das Elend der babylonischen Gefangenschaft geführt, von dem uns der 137. Psalm ein Bild gicbt: „An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten, wenn wir an Zion gedachten. Unsere Harfen hingen wir an die Weiden, die darinnen sind. Vergesse ich dein, Jerusalem, so werde meiner Rechten vergessen." Welch eine heiße Sehnsucht spricht sich in diesen Worten aus! Die Gefangenschaft war bestimmt, durch die schwer auf ihm lastende Strafe das Volk zur Besinnung und zur Buße zu bringen und durch die Erinnerung an das Verlorene, an Vaterland, Vaterstadt, Vaterhaus, an die Segnungen Gottes, an das herrliche *) Zach. 2, 5.

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