Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 30 (1874)
- Issue
- 3-4 (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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40 Im letzten Abschnitte seines Werkes betritt der Vers, das Allerheiligste des Menschenherzens mit der Frage: Was war cs denn aber für ein Glaube, durch welchen Abraham selig ward und von welchem Paulus sagt, daß er nicht blos ihm, sondern auch uns angerechnet ward? (Röm. 4,22—24.) Hier war die Aufgabe, zuerst zu untersuchen, ob denn in Abrahams Glauben derselbe Gegenstand, wie im christlichen Glauben, nämlich Christus sich Nachweisen lasse. Die Frage ist: Hat Abraham an Christum geglaubt? Kann eine geschichtliche Auslegung das zugeben? Der Vers, giebt als Antwort folgenden Gedankengang: Wenn Paulus in seiner Auslegung den Alten Bund als einen Typus (ein Vorbild auf den Neuen Bund) und ein verhülltes Symbol faßt, und in Abraham den typischen Glauben an den Messias gefunden und gedeutet hat, so haben die Juden auch schon eine typische Deutung der Schrift gehabt, wenn sie z. B. von Abraham behaupten, er habe das ganze Gesetz erfüllt (nach 1. Mose 22, 18), oder wenn sie sagen, aus dem Sechuth Abraham (der Gerechtigkeit Abrahams) ruhe der Leohuth Quorbanoth (die Rechtfertigung durch die Opfer), so daß Abraham typisch die Sünden der Nachwelt sühne. Abraham hat geglaubt an Den, welcher den Sünder rechtfertigt, an Den, welcher Tobte auferweckt und was noch nicht ist, wie vorhanden kennt und nennt. (Röm. 4, 5. 17.) Abraham war kein Zadik, denn erst sein Glaube ward ihm zur Zedaka. Dies liegt deutlich 1. Mose 15, 6 in dem Ausdruck Chaschab, b. h. etwas im Geist für das nehmen, was es an sich nicht ist. Abraham war nicht ein ergazomenos (^lötn. 4, 4), d. h. ein Lohnarbeiter, welcher arbeitet, weil er Lohn empfängt und dem nach der Arbeit sein Lohn zugemessen wird. Ein ähnliches Bild gebraucht Rabbi Simon in der vielgenannten Stelle Pirke Aboth 1,3: „Seid nicht wie die Knechte, die ihrem Herrn um Lohn dienen, sondern seid wie Knechte, die ihrem Herrn auch ohne Lohn zu empfangen, dienen, und Frucht des Himmels sei aus euch". Abraham that allerdings gute Werke, aber er erkannte ihre Unmöglichkeit zu rechtfertigen. Abraham konnte sich nicht für einen Zadik halten, denn er war ein Kinderloser und als solcher nach biblischer Anschauung im Zustand der asebeia, der Gottlosigkeit. Aber er glaubte, daß Gott im Stande sei, seine Schuld und seine Kinderlosigkeit aufzuheben,