Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1874-01-01 · 3-4 (1874) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
30 (1874)
Issue
3-4 (1874)
Date
1874-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2554541-2554813-2554816--06126-2562104
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

37 der Auslegung des Kapitel 4 im Römerbrief. Er hat sich die Wege dazu gebahnt. Er hat gezeigt, wie die jüdische Theologie die Zedaka faßt. Dagegen stellt nun Paulus die Zedaka des Evangeliums, die keine andere ist, als die Abrahams: Glaubens- Gerechtigkeit. Die Wege des Reiches Gottes sind wunderbar. So vereinzelt, scheinbar wie verloren, steht das Wort 1. Mose 15, 6 in unserer Bibel da. Nachher kam das Gesetz; dann der Pharisäismus. Wie man einmal von einzelnen politischen Parteimännern gesagt hat, sie seien königsgesinnter, als der König selbst: so darf man von dem Pharisäismus sagen, er sei gesetzlicher, als das Gesetz selbst. Jener Vers 1. Mose 15, 6 war wie eine vereinzelte geschichtliche Notiz geworden, die in dem Alles überwachsenden gesetzlichen Wesen fast spurlos verschwand. Das Ende, die Erfüllung aber kehrt zum Anfang zurück. Und wie die Erlösung uns das verschlossene Paradies der Urzeit wieder aufthut, wie der Messias als der zweite Adam uns im Geist zurückversetzt in die verlorene Unschuld des ersten Adams, so geht das Evangelium auf den Anfang des Gottesreiches, aus Abraham und seine Glaubensgerechtigkeit zurück und zeigt uns in ihr das Wesen auch unseres Heils. Das ist die große Lehre des Apostels Paulus. Der Vers, geht bei seiner Auslegung aus von Röm. 3, 29: Gott ist nicht blos der Juden, sondern auch der Heiden Gott. Weissagend verkündigt dies schon das Alte Testament, wie der Vers, in neuer Weise darthut. Aber, sagen die Juden, wenn auch der Gott Abrahams ebenfalls der Gott der Völker (Goim) sei, so sei doch das Verhältniß Israels und der Völker zu Gott ein ganz verschiedenes. Nur zu Israel habe Gott gesagt: „Söhne seid ihr dem Ewigen, eurem Gott" (Aboth 3, 14), Israel habe den Vorzug des Gesetzes und der Beschneidung. Aber Juden und Heiden stehen doch beide unter der Sünde. Das Gesetz lehrt Israel die Erkenntniß der Sünde mit dem Zorn der Strafe. Wie soll rechtfertigen, was anklagt! Dagegen sagen nun die Juden: Das Erbarmen Gottes versöhnt uns im Verdienste Abrahams (Sechuth Abraham) am Versöhnungstage.*) Umkehr zum Gesetz, Gebet und gute *) Man vergleiche dazu den lehrreichen Aufsatz im Jahrgang 1870 dieser Blätter S. 16 ff: „Die rabbinische Bersöhnungslehre des Machsor". Hier

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.