Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 30 (1874)
- Issue
- 1-2 (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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27 und wenn cs der Cultur nicht einen derselben fremden Charakter aufprägen helfen soll. Wir haben aus Anlaß der Bertheilung der Juden unter den Völkern diese Bemerkungen gemacht, weil uns dieselben aus ihrem Zusammenleben mit den Nationen entgegeutraten. Die äußere Lage der Juden hat sich freilich merkwürdig gebessert und dies hat für dieselben sehr wichtige Folgen gehabt. Jenes oben erwähnte österreichische statistische Werk zeigt, welchen Einfluß die verschiedene sociale Lage unter ihnen nach vielen Seiten hin übt. Dort heißt es (S. 9): „Die Israeliten in Böhmen und Mähren sind, wenigstens in den größeren Gemeinden, der Mehrzahl nach wohlhabend. Die hierdurch mögliche und geübte Obsorge für Nahrung, für Licht und Luft in den Wohnungen, sowie für rationelle Behandlung der Kinder wird durch eine relativ geringe Sterblichkeit der letzteren und durch eine höhere Quote von Individuen gelohnt, welche das Greisenalter erreichen. Dagegen sind die Juden in Galizien und in der Bukowina zumeist sehr arm, leben, wenn auch nicht rechtlich mehr dahin gebannt, doch thatsächlich noch immer eng zusammengcdrängt in den Ghctti's, wo von Lüftung und Reinlichkeit keine Rede sein kann, selbst wenn die Insassen größere Freunde derselben wären. Diese den einfachsten Geboten der Gesundheitspflege gerade entgegengesetzte Lebensweise aber, im Vereine mit der Noch, läßt namentlich viele Kinder in der ersten Lebensperiode hinwelken und hebt die Sterblichkeit der Juden Galiziens und der Bukowina im Allgemeinen auf eine sehr ungünstige Stufe. Von den Juden Galiziens scheiden sich die Caraiten scharf ab, welche in mehreren Gemeinden Galiziens, namentlich in Halicz in größerer Anzahl Vorkommen, nicht allein durch die Religions- Übung (Verwerfung des Talmud), sondern auch durch Lebensweise, indem sie fast ausschließlich Ackerbau treiben. Das Endergebniß dieser Mittheilungen über die biotischen Verhältnisse der Israeliten in den vom Reichsrathe vertretenen Ländern ist demnach, daß sich auch hier bei den Juden eine größere Fruchtbarkeit der Ratze, hcrvorgerufen durch die Mehrzahl der in frühen Altersjahren abgeschlossenen Trauungen und ein günstigeres Sexualverhältniß der geborenen Kinder (mehr Knaben als Mäd-