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Dibre Emeth · 1874-01-01 · 1-2 (1874) · page 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
30 (1874)
Issue
1-2 (1874)
Date
1874-01-01
Page
– (sequence 26)
Language
German
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26 in irgend einem Lande zu Hunderttausenden beisammen wohnten und gerade dann trat es am Allerauffälligsten hervor, daß, sobald sie in der Periode ihrer Zerstreuung für sich selbst isolirt leben und leben müssen, sie auch auf einer niedrigen Stufe bleiben, daß sie hingegen, wo sie mit den Anderen in engere Gemeinschaft treten dürfen, alsdann auch wohl fähig sind, viele Eindrücke aufzunehmen und sich das von Anderen Empfangene in einem ziemlich bedeutenden Maße und Grade anzueignen. Selbstständigkeit also zu einer Culturentwickelung aus eigenem Vermögen heraus besitzen sie nicht, eigentlich auch nicht einmal in religiöser Beziehung. Ihre Religion ist ihnen einst in der Periode des A. T. gegeben und nicht etwa von ihnen producirt worden; sie haben ihre Religion durch Offenbarung empfangen und dieselbe nicht aus ihrem Geiste heraus geschaffen. Sie sind gerade, weil sie den Zweck hatten, das Organ für die Offenbarung zu bilden, in hohem Maße receptiv, geistig ausnehmend, dagegen nicht produktiv, nirgends sclbstschöpferisch von Gott angelegt worden. Jeder ihrer Versuche, wenigstens auf ihrem besonderen Gebiete, dem der Religion, selbstgestaltend und neubildend wirken zu wollen, ist völlig fehlgeschlagcn. Die Fortbildung, welche das alte Judenthum durch den Talmud, oder die Kabbala, oder den Chasidismus erfahren sollte, hat sich in so hohem Grade als eine Verbildung des Früheren erwiesen, daß dieselbe nur abstoßend auf die übrige Welt gewirkt hat, und die Juden nun auch selbst diese mit so unsäglicher Mühe, ungemeinem Heroismus und unendlicher Duldcrkraft aufgeführten Bauten niederreißen. Israel hat in seiner natürlichen Art genug empfangen, um ein Gefäß reicher Gnadengaben Gottes zu werden; es darf sich aber nur direkt von Gott selbst, und sonst weder von seinem eigenen, auch nicht von dem eigenen religiösen Geiste, noch von der Cultur aus dem derselben eigenen Vermögen bilden und gestalten lassen; thut es dies, so mißlingt es ihm auf'die Dauer durchaus. Die griechische und die saracenische Cultur haben die Juden nicht bleibend vorwärts gebracht und sie nicht vor desto tieferem Sinken bewahrt; dasselbe gilt auch von der neuen jüdischen Cultnrperiode, welche ihnen je länger je mehr nur einen desto tieferen Widerspruch von ihrer Umgebung einträgt, indem letztere ihnen eine Entstellung der allgemeinen Cultur vorwirft. Von der Offenbarung ans darf Israel auch zur Cultur kommen, aber auf keinem anderen Wege, wenn ihm selbst die Cultur zum Heil werden

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