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Dibre Emeth · 1874-01-01 · 1-2 (1874) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
30 (1874)
Issue
1-2 (1874)
Date
1874-01-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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15 der Schueider antwortet, er sei schon selig und ihm eine ganze Menge guter Werke aufzählt; doch wußte Stern denselben bald zum Schweigen zu bringen und ging mit, als er zum Jaffathor hinaus in's Freie wunderte. Hier fing Stern mit so feuriger Zunge an zu ihm zu sprechen, wie Landsmann es noch nie gehört hatte, so daß es ihm auf einmal klar wurde, daß Jener ein guter, ehrlicher Mann sei, nun aushörte, ihn zu Plagen, und ihn sogar lieb gewann und ihm auch über seine traurige Lage Mittheilung machte, worauf ihm Stern erklärte, daß wenn er bei ihm Arbeit nehmen möge, er sie ihm geben und ihn ehrlich bezahlen wolle. Nach Verlauf einer Stunde schon kommt Stern zum Schneider und bringt ihm auf seiner Achsel ein ganzes Pack alte Kleider zum Auöbessern. Dießmal brachte Jener nur irdische Hülfe und sprach kein Wort vom Messias. Als er sich entfernte, schüttete ein Nachbar einen Topf mit schmutzigem Wasser über ihn aus, worüber die ganze Nachbarschaft jubelte! Als einige Tage später Stern dem Schneider wieder Arbeit brachte, geschah ihm diesmal kein Leid, und als dann dieser die fertige Arbeit in Sterns Wohnung zurückbrachte, war durch Gottes Fügung eine merkwürdige Gelegenheit zur Verkündigung des Evangeliums geboten. Der Schneider hörte plötzlich ein bitteres Jammergeschrei. Es war ein Jude, welcher dasselbe in dem angrenzenden Missionshospital ausstieß. Hören Sie, sagte Stern, wie diese Leute jammern und bitterlich schreien? Ach, fuhr er fort, wer eben kein Korban (Opfergabe) hat, der hat keine Vergebung der Sünde, und wer keine Vergebung hat, der muß in seiner Sünde ewig verloren gehen. — Sie aber, mein Freund, wie können Sie vor einem so heiligen und gerechten Gott bestehen? Und nun fing er an, dem Freunde aus Mose, David und allen Propheten zu zeigen, daß er trotz allen vermeintlichen guten Werken ein verlorener, elender Sünder sei. Und seine mit Thränen gesprochenen Worte gingen demselben, obgleich er noch disputirte, aber im Grunde schon gefangen war, zu Herzen, und er fand nun in Christo dem Gekreuzigten den wahren Helfer und Retter! Landsmann beschreibt uns, wie Stern sein Evangelistenamt betrieb. Er erzählt, wie er ihn, nachdem er schon lange die Taufe empfangen hatte, auf einer seiner Wanderungen begleitete. Stern stellte sich vor dem Zionsthor, wo sehr viele Juden sich befanden,

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