Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 30 (1874)
- Issue
- 1-2 (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 / das uys dm Charakter dieses treuen Zeugen lebendig vor die Seele stellt. Es werden zwanzig Jahre sein, daß Stern als ein Mann von etwa fünfzig Jahren nach Jerusalem kam; einer der vielen Juden, welche ihre Unruhe und ihre Hoffnung nach Jerusalem führt. Hier aber wurde ihm Jesus Christus verkündigt und er konnte Ihn ergreifen, konnte Ihn bekennen und sich also bewähren, daß er nicht nur in den Schooß des Christenthums ausgenommen, sondern auch bald von der Londoner Judengesellschast als Evangelist unter den dortigen Juden angestellt wurde und nun sein gesegnetes Wirken begann. Der Berichterstatter kann von ihm sagen: „Wer in Gemeinschaft mit ihm stand, mußte von seinem Wandel, seinen Worten, seiner Geduld, seiner Liebe zu Gott und Menschen einen Eindruck erhalten. Er lebte in Gott, wandelte mit Gott, arbeitete für Gott; sein ganzes Leben war mit Christo verborgen in Gott. Seine Worte waren feurig und wie ein Hammer. Er hat auch viele Seelen zu dem Herrn gebracht und ist ihnen zum Segen gewesen, insbesondere auch mir." Landsmann erzählt uns, wie er selber in Jerusalem als jüdischer Schneider sein Brod verdiente und seine Frau und Kinder ernährte. Als eifriger Jsraelite war er natürlich auch ein eifriger Gegner der evangelischen Missionare und haßte besonders den großen Meschummed oder Abtrünnigen, wie alle Juden Stern zu nennen pflegten. Da geschah es, daß die sonst reichliche Arbeit zu fehlen begann und zwar für längere Zeit, und da fehlte auch das Brod. Nun wußte Landsmann wohl, daß wenn er zum Meschummed gehe, dieser ihm schon Arbeit verschaffen würde, obgleich er denselben, wenn er ihm Christum verkündigte, schon recht geplagt und geschlagen hatte, aber dazu wollte er und seine Frau sich nicht verstehen, sie wollten lieber Hunger leiden. Als er bald darauf denselben auf der Straße antraf, fing er an, wie eS seine Weise war, von Christo zu predigen; der hungernde Schneider aber wurde ganz wüthcnd und schlug ihn dermaßen, daß er krank nach Hause ging. Landsmann aber ging triumphirend heim und die Juden priesen ihn als einen Zadik, als einen Gerechten! Stern aber, als er hierauf den Schneider abermals auf der Straße antrifft, fängt dennoch wieder an mit ihm zu sprechen, und zwar unter Thränen. Er fragt ihn, ob er selig werden wolle, worauf ihm