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Dibre Emeth · 1874-01-01 · 1-2 (1874) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
30 (1874)
Issue
1-2 (1874)
Date
1874-01-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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16 die vom Oelberg hergekommen waren, wohin sie eine Leiche gebracht hatten, auf einen Stein, nahm seine hebräische kleine Bibel aus der Tasche und fing an von Jesu zu sprechen. Vergebens hatte der Gefährte gesucht ihn abzumahnen, da sie allein außer der Stadt seien, und der Juden viele, die sie steinigen könnten. Er aber stand da ohne Furcht wie ein Held und predigte Jesum den Gekreuzigten. Die Juden gingen an ihm vorüber, spuckten in sein Angesicht, lästerten und fluchten ihm, er aber predigte weiter. Der Gefährte, obgleich er aus Furcht kein Wort redete, wurde von den Juden gepackt und geschlagen, und wollten ihn diese zwingen, Jesu zu fluchen und Ihn zu verleugnen. Er aber bezeugte nun, daß Jesus das ewige Leben sei! Nun fielen sie auch noch über Stern her, banden ihm die Hände und schlugen auf ihn los. Endlich kamen Türken herbei und packten die Juden, um sie vor den Paschah zu bringen — das wollte aber Stern nicht zulassen, sondern gab den Türken noch Geld, um Jene frei zu machen. Als der Gefährte im August des vorigen Jahres wieder einen Besuch in Jerusalem machte, fand er den alten Freund krank im Bette. Ich habe, sagt er, himmlische Stunden bei ihm zugebracht, habe viel von ihm gelernt und mußte mich viclmal vor ihm schämen; er hat mir durch sein Leiden und seine Geduld gezeigt, wie ein Christ leben und sterben kann. Noch wollte er das heilige Abendmahl mit mir feiern. Ich kam eine Stunde vor der bestimmten Zeit; langsam stand er von seinem Bette auf, wusch sich und zog seine Sonntagskleider an. Er schaute uns freundlich an, brach in viele Thränen aus und wir hörten aus seinem Munde nur das Wort Hochzeitskleid, und als er dann aufhörte zu weinen, hat er dergestalt vom Hochzeitskleid geredet, daß unsere Herzen entbrannten. Zwei Geistliche kamen und einige andere Freunde und mit großem Segen wurde das heilige Abendmahl gefeiert. Aus seinem Fenster schaute Ster» zum Oelberge hinaus. — Er war fertig, seinem Herrn entgegenzugehen. — Doch hatte er noch vier Monate zu harren, che sein Heimgang erfolgte. Nach einer jener Freitagsbetstunden wurden seine sterblichen Ueberreste auf dem evangelischen Gottesacker am Abhange des Zionsberges in das Grab gelegt.

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