Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 30 (1874)
- Issue
- 1-2 (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 vergessen, was er uns durch Wort und That gelehrt; wir werden seiner, als unseres Lehrers, gedenken, der uns das Wort Gottes gesagt, dessen Glauben wir nachzufolgen wünschen, das Ende seines Wandels bedenkend. Unser verstorbener Freund ging einsam durch das Leben. An seinem Sterbebette standen nicht Frau und Kinder, sondern der Herr allein war bei ihm. In seiner letzten Krankheit litt er viel, aber er trug cs mit christlicher Geduld und Ergebung. Er betete oft: „Vater, wenn es möglich ist, so laß diesen Kelch bei mir vorübergehn", aber er fügte immer hinzu: „doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst". Möge unser Ende wie das seinige seindas Friede und Seligkeit im Glauben war. Wir haben oft den betagten, weißhäuptigen und nun von uns gegangenen Sohn Abrahams in den Straßen Jerusalems gesehen, wie er zu seinen Brüdern von dem sprach, welchen seine Seele liebte. Wir haben ihn gehört ihnen das alte Testament öffnen mit großer Kraft, Lebhaftigkeit und Klarheit. Wer kann sagen, was das Resultat solcher Predigt sein mag? Jener Tag allein wird es offenbaren. Eins wissen wir, daß manche seiner eigenen Brüder, denen er Christum predigte, ihn schmähten, ihn einen Verfluchten und einen Abtrünnigen nannten. Aber das entmuthigte ihn niemals. Er wußte sehr wohl, daß der Diener nicht über seinen Meister ist, und dcßwegen setzte er fröhlich und willig seinen Beruf bis an sein Ende fort. Er besaß etwas von dem Gefühle, von welchem der große Apostel spricht: „ich wünschte, daß ich selbst verbannet würde für meine Brüder, meine Gefreundeten nach dem Fleisch". Unser verstorbener Bruder war ein armer Mann, sein Einkommen nur gering; dennoch legte er immer den Zehnten seines Gehaltes bei Seite, um denen mitzutheilen, die noch ärmer als er selbst wären. Er erfuhr es in hohem Maße, daß Geben seliger als Nehmen ist. Unser Bruder Stern hatte weder Weib noch Kind; was er erspart, hat er unseren verschiedenen Instituten in Jerusalem und seiner Schwester hinterlassen, die sich noch im Judenthum befindet, um deren Bekehrung er täglich betete und die er zärtlich liebte. Er war in der That ein Nathanael, ein Israelit, in dem kein Falsch war."