Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 30 (1874)
- Issue
- 1-2 (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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wahrheitsuchendcn Juden zu leiten hatte, konnte man seinen Charakter in Wahrheit mit den Worten beschreiben: „freundlich gegen Jedermann, bereit zu lehren und geduldig". Treue und Freundlichkeit waren die Geheimnisse seiner Missionserfolge. Sein reines, stilles und der Sache des Heilandes gewidmetes Leben wird von der Welt unberücksichtigt bleiben, in welcher er sich längst nur als Pilgrim und Fremdling zu betrachten gelernt hatte. Obwohl hier aber kein Material für die Blätter fleischlichen Ruhmes vorhanden ist, so lebt sein Gedächtniß in der Höhe, wo die Geschichte seines einfältigen, ernsten, ehrgeizlosen Lebens unter vielen namenlosen Geschichten, welche wir eines Tages kennen lernen werden, in dem Buche des Gedächtnisses Gottes geschrieben steht, und wird sicher offenbar werden zum Preise und zur Ehre — zum Preise und zur Ehre der Gnade Jehovahs, wenn er seine bluterkauften Juwelen zusammenbringt. Gegen Ende seiner irdischen Laufbahn suchte ihn eine lange und schmerzliche Krankheit, welche sich zwei Jahre hinzog, schwer heim, aber er bewahrte „das Vertrauen auf die Hoffnung fest bis an's Ende". Sein Krankenzimmer zu besuchen, war eine der schönsten Pflichten meines Amtslebens. Sein einziger Kummer war, daß er in seines Meisters Dienst nicht mehr gethan habe, und daß ihm die Kraft zur Arbeit fehle. Während Andere von ihren vielen Arbeiten sprachen, bekümmerte ihn nur der Gedanke tief, wie wenig er für Christum gethan habe; ein Beweis, welch ein zartes Gewissen unser lieber Bruder besaß. Ich könnte manche Beispiele erzählen, wie merkwürdig wach er in dieser Beziehung Gotte gegenüber war. Während er überall mit voller Selbstbeherrschung sprach, habe ich ihn zu Zeiten in Thräncn der Zerknirschung ausbrechen sehen; immer aber sah ich ihn seine Freude in Christo Jesu habend, da er doch kein Vertrauen auf das Fleisch hatte. Kurz vor seinem Heimgange frug ich ihn nach seiner Hoffnung^ Er antwortete ruhig, mit Anstrengung, denn er war sehr schwach: „in Christo habe ich gelebt, in Christo sterbe ich". „Welches Wort haben Sie", frug ich, „für Ihre Brüder?" „Sagen Sie ihnen", antwortete er, „daß sie an Christo festhalten — er ist der Erlöser ihrer Seelen — wir können nichts thun — er ist Alles" und seine noch übrige Kraft sammelnd, wiederholte er ernstlich: „Er