Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 30 (1874)
- Issue
- 1-2 (1874)
- Date
- 1874-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 mögliche fordere, Leistungen auszuweisen, für welche die Zeit noch nicht gekommen ist. Die Wichtigkeit ihres Werkes in dem oben bezcichnctcn Sinne, dadurch also, daß sie die Vorarbeit thut, welche überall die alten Mauern niederrcißen und die entgegenstehenden Schwierigkeiten beseitigen hilft, wird Jedem einleuchten, der ein Berständniß für Geistesarbeit hat, und der eS weiß, daß Meuschenscclen ein Boden sind, auf dem nicht ein Maschinen- oder ein Zauberwerk getrieben werden soll, sondern Leben gepflanzt werden muß, das starke und doch auch sehr langsam wachsende Wurzeln erheischt. Positiv wirkt übrigens nun auch die Judenmission noch ein Anderes. Indem z. B. die Sendbote» der einzigen Londoner Gesellschaft die Juden in ihren meisten Wohnsitzen der drei alten Welttheile aufsuchen und indem sie das nicht vorübergehend, sondern unverwandt thun, führen sie eine große und stets zunehmende Zahl derselben aus der früheren Unbekanntschaft mit dem Christcnthume heraus. Nicht die Missionare allein thun dies, aber sie haben einen Hauptantheil an diesem im täglichen Leben sich auf mannigfache Weise äußernden Werke; in den osteuropäischen, den asiatischen und afrikanischen Ländern geschieht es sogar ganz überwiegend durch die Missionare. Mag auch in den allermeisten Fällen das so geweckte Interesse an der Sache nur ein durchaus oberflächliches sein, cs wird doch irgendwie geweckt, und unvermerkt kommt die vorher gar nicht gekannte Frage, was dünket euch um Christo? den Herzen näher, als sie es selbst ahnen. Besonders will hierbei hervorgehoben sein, daß die Londoner Mission Jahr aus Jahr ein die heilige Schrift in so viele jüdische Hände legt. Wo aber die Schrift cinkehrt, muß der Talmud weichen, und wer erst bis zur Quelle selbst geführt ist, der kann es auch einmal erfahren lernen, daß frisches lebendiges Wasser heilsamer ist, als getrübtes. Mit dem bloßen Zerstören ist ja auch nicht genug gethau, sondern cs muß ein neues Aufbauen an die Stelle treten. Und indem das Wort der Wahrheit den Händen der Jude» vertraut wird, geschieht jedenfalls der erste Schritt zu einer ganz eigentlich positiven Wirksamkeit unter ihnen. Die Arbeit ist mühevoll, gewiß; sie ist recht unbelohnend für diejenigen, welche auf einem anderen Boden leichter und schneller und reichlicher ernten, das räumen wir ein. Aber das Eine möchten, wir doch zum Be-