Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1874-01-01 · 1-2 (1874) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
30 (1874)
Issue
1-2 (1874)
Date
1874-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2554541-2554813-2554815--06093-2562070
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

5 Ihrigen nicht so hoch schätzten, oder daß sie in Verlegenheit bei der Frage gcriethen, wie theuer sie selbst wohl ein Jeder die eigene Seele achteten. Christliche Liebe ist eben ein seltsames Ding: sie giebt gern recht viel von ihrem Geld und Gnt, ja sie giebt noch mehr, wenn es sein mnß, sogar ihr Leben dahin, um des höchsten, des bleibenden Wohles und Glückes ihrer Mitbrllder und Mitschwestern gewiß sein zu können. Setzt man sonst auf Erden alles Mögliche daran, die Seinen, sein Volk und Vaterland, die Wissenschaft und Kunst zu fördern, so will die christliche Liebe, wo sie echter Art ist, gern jeden Menscheu in das klare Bild Christi und in die Seligkeit, welche derselbe erstritten hat, versetzt sehen. Summen wie jene Missionseinnahme einer Gesellschaft in einem Jahre sind ein Beweis, daß dieses Verlangen noch recht lebhaft in vielen Christenhcrzen waltet. Ein Verdienst unsererseits sind freilich solche Leistungen nicht, ein Ruhm noch viel weniger, aber wohl ein Zeichen, daß ein Feuer in uns brennt, welches an der Gluth der Liebe Christi entzündet ist und uns nicht Ruhe läßt, als bis es auch andere Herzen ergriffen hat. Die Inden-Mission hat übrigens nicht vergeblich ihre Schritte durch die Länder gelenkt, sondern ihre Fußtapfcn sind kenntlich genug vor unseren Augen. Ihr Antheil an der Geschichte der Zerstörung des talmudischen Judenthums ist kein geringer. Wo sie dauernd Fuß gefaßt hat, da ist zum Mindesten unter dem Einflüsse ihrer Schulen ein nicht unbedeutender Theil des neu Heranwachsenden jüdischen Geschlechtes dem rabbinisch-talmudischen Wesen entfremdet worden. In der eigenen Mitte der jüdischen Gemeinden begann sich so ein Element auszubilden, das einen immer weiter um sich greifenden Gährungsproceß veranlaßte. Indem aber das Alte beseitigt wird, treten jene Uebergangszeiten ein, die sich nun durch alle möglichen Versuche, in der Vermischung und Verbindung des Neuen mit dem Früheren das Heil zu finden, charakterisiren. In solchen Zeiten gilt es Geduld üben. Das Ucberlebte bröckelt sich nur nach und nach ab, und ehe Herzen, denn um solche handelt cs sich doch, das Bedürfniß fühlen, sich dem so lange bekämpften Glauben zu ergeben, muß von ihnen zuerst noch die Erfahrung gemacht werden, daß die Hilfe auf einem anderen Wege nicht zu finden ist. Die Mission will also mit diesen Augen betrachtet werden und hat es zu verlangen, daß man von ihr nicht das Un-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.